3: Alles in Ordnung

The Easy German Podcast

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Cari und Manuel behaupten zwar, dass sie nicht typisch Deutsch seien, unterhalten sich aber dennoch eine ganze Podcast-Episode lang über das Thema "Ordnung". Denn obwohl es angeblich die Römer waren, die uns Germanen zur Ordnung zwangen, lieben wir (vor allem Manuel) es, unser Leben perfekt zu organisieren. Manchmal geht es uns allerdings auch zu weit mit den ganzen Regeln in Deutschland.


Transkript und Vokabeln


Intro


Thema der Woche: Ordnung


Eine schwierige Entscheidung: Chaos in der Wohnung oder im Computer


Ausdruck der Woche: Alles im grünen Bereich


Das nervt: Regelhörigkeit


Das ist schön: Routine


Empfehlungen der Woche


Lied der Woche: Deutschland

* Affiliate Link


Eure Fragen


Transkript

Intro

Cari:
[0:15] Hallo Manuel! [Hallo Cari.] Das ist ja heute ein Start, ich bin richtig gut gelaunt! [Wieso?] Einfach nur so, weil es ist Samstag und wir sehen uns schon wieder.

Manuel:
[0:26] Pssst! Heute ist Dienstag. Das ist ja live.

Cari:
[0:29] Oh!

Manuel:
[0:30] Nein, nein. Es ist Samstag. Wir zeichnen… wir können das ja verraten. Wir zeichnen in der Regel am Samstag auf, bevor ihr das hier hört.

Cari:
[0:40] Ich glaube, das können sich auch unsere Zuschauer denken, dass wir das nicht live machen.

Manuel:
[0:45] Ja. Das wäre auch schwierig, das live noch zu transkribieren und die Vokabelhilfe zu machen.

Cari:
[0:49] Und zu schneiden.

Manuel:
[0:51] Geschnitten wird da auch nichts, Cari. Das ist alles genauso, wie wir es aufgezeichnet haben.

Cari:
[0:55] Ne eigentlich… Ja, also bisher haben wir eigentlich gar nichts geschnitten, ne?

Manuel:
[0:58] Ne. Nur ganz leicht. Ja. [Find ich gut.] Cari, wir haben ein bisschen Feedback schon aus den letzten Episoden.

Cari:
[1:08] Wir haben schon wahnsinnig viel Feedback bekommen und mir macht das richtig Spaß, eure Nachrichten zu lesen. [Mir auch.] Willst du anfangen oder soll ich anfangen?

Manuel:
[1:17] Ok, ich kann anfangen und zwar haben wir ein Feedback / eine Frage von Ilkin aus Aserbaidschan. [Hallo Ilkin!] "Ich hätte nur eine Frage: Könnt ihr doch den Podcast noch länger machen? Ich würde mich sehr freuen, irgendwann euch zu treffen. Liebe Grüße aus Mainz!" Also, liebe Grüße nach Mainz, nicht nach Aserbaidschan.

Cari:
[1:40] Ja, liebe Grüße Ilkin. Ich glaube, wir können den Podcast… ich weiß nicht, ob wir ihn noch länger machen sollten. Ich kenne jetzt schon einige, die es nicht geschafft haben, die ganze Stunde in einer Woche zu hören. Aber andere fanden es genau richtig, also ich glaube…

Manuel:
[1:56] Ich glaube, wir machen den Podcast einfach mal genau so lange, wie wir Bock haben und wie wir Lust haben und wie wir Themen noch zu besprechen haben und allen, denen es zu kurz ist, muss ich einfach sagen: Hört es einfach dann zweimal! Und allen, denen es zu lang ist, ein paar Leute haben auch gesagt: "Leute, das ist zu lang. Macht mal bitte lieber jeden Tag zehn Minuten statt einmal pro Woche eine Stunde!" Da muss ich einfach sagen, man kann auch nach zehn Minuten erstmal auf Pause drücken und dann am nächsten Tag wieder anfangen. Das ist auch erlaubt.

Cari:
[2:28] Richtig. Das habe ich auch einigen Leuten geantwortet und ich mag das sogar richtig gerne bei Podcasts, die ich höre, dass ich mir ein Stück aufspare und dann weiß ich schon: Ohh, ich hab noch fünfzehn Minuten zu hören und dann freue ich mich und nächstes Mal, wenn ich irgendwie zum Supermarkt gehe, höre ich dann das nächste Stück.

Manuel:
[2:46] Ja. Man muss nicht den ganzen Podcast an einem Stück hören. Es ist nicht… es ist keine Pflicht.

Cari:
[2:51] Muss man nicht. Man kann auch später wieder einsteigen. Ja, ich habe auch eine Nachricht bekommen von Tina. Tina ist ein Patron von uns, hat den Podcast gehört und hat eine interessante Anmerkung gehabt. Sie schreibt: "Ich fand den Podcast wirklich gut gemacht, besonders das Gespräch über Klimawandel am Ende. Ich wollte aber auch eine andere Perspektive zum Thema 'sonntags geschlossen' geben. Ich verstehe Caris Ärger und möchte auch nicht gerne da leben, wo man absolut nichts am Sonntag kaufen könnte. Aber hier in den USA haben die meisten Läden sonntags auf und das bedeutet, dass mein Man… mein Mann als Manager von einem Fahrradgeschäft jedes Wochenende arbeiten muss. Freitags, samstags, sonntags. Wir haben vielleicht zweimal im Jahr einen gemeinsamen Tag frei am Wochenende, außer ganz besondere Angelegenheiten, wie die Hochzeit von unserer Tochter. Wenn man erlaubt, dass alle möglichen Läden und Märkte sonntags auf sein dürfen, dann kommt es vielleicht schnell zum Ergebnis, dass Arbeiter dann auch arbeiten müssen und da kann man sich ganz schnell auf gefährliches Glatteis begeben. Jedes Jahr kämpfe ich dagegen, dass heutzutage Arbeiter bei so vielen Einzelhandelsketten an Thanksgiving arbeiten müssen. Das wäre in unserer Kindheit unvorstellbar gewesen." Okay, hier höre ich mal auf. Ich fand das ein sehr interessantes Feedback, weil tatsächlich, wir haben ja darüber gesprochen, dass wir wenige Läden haben, die am Sonntag auf haben und dass diese Läden jetzt noch immer schließen müssen sonntags. Darüber habe ich mich aufgeregt, denn ich möchte natürlich sonntags auch die Möglichkeit haben, etwas einzukaufen, aber ich finde es interessant, auch die andere Perspektive kennen zu lernen und gerade… Tina hat ja auch geschrieben, dass man selbst an den heiligsten Feiertagen, so wie Thanksgiving, es schwierig ist, dass die Menschen überhaupt zusammen feiern können. Und das hat sie noch weiter unten in der E-Mail oder in der Nachricht geschrieben. Das finde ich tatsächlich traurig. Ich war zum letzten… zum ersten Mal letztes Jahr Thanksgiving in den USA und hab gesehen, dass es eigentlich, ja ich wusste gar nicht, dass das so wichtig ist wie Weihnachten im Prinzip und hab gehört, dass Menschen dann abends noch in die Supermärkte oder in die Malls strömen, um dann um null Uhr die ersten Black Friday Angebote abzugreifen. Und diese Vorstellung, dass man irgendwie an so einem Familienfeiertag danach shoppen geht, also nachts, war für mich völlig verrückt.

Manuel:
[5:24] Ja. Und ich finde, ich gebe Tina nämlich auch komplett Recht, und ich glaube, wir haben das auch oder zumindest ich habe es in der letzten Episode nicht so ganz klar gemacht: Ich bin überhaupt nicht dafür, dass in Deutschland plötzlich alle Geschäfte auf haben am Sonntag. Ich möchte nicht, dass die Malls und die Einkaufszentren und die, die Kleiderläden alle jetzt am Sonntag auf haben. Und auch die Supermärkte, ehrlich gesagt. Ich finde das gut, dass es diesen einen Tag in der Woche gibt, wo (so) ziemlich alles geschlossen ist. Meiner Meinung nach kann das schon ruhig so bleiben. Aber gerade deswegen ist es so schön in Berlin, dass es eben diese ganz kleinen Spezial-Läden gibt, die nicht von großen Firmen, von großen Ketten betrieben werden, sondern von individuellen Menschen oder manchmal Familien, die das halt machen, auch gerne, auch mit Leidenschaft, die in der Regel jetzt auch nicht Mitarbeiter unbedingt haben, sondern da selbst in diesem Laden stehen, dass die am Sonntag auf haben, damit man eben, wie Cari das gerne möchte und viele andere, ich auch, am Sonntag auch mal kurz ein Bier kaufen kann oder was anderes kleines. Aber trotzdem… also ich finde, das sollte gerade deswegen so sein, weil alle anderen Läden geschlossen sein sollen.

Cari:
[6:39] Ja. Und man muss auch einfach darauf achten oder gucken, wem das überhaupt schadet. Wem schadet das, wenn ein Späti offen hat? Das schadet im Prinzip dem Späti-Inhaber und sonst eigentlich keinem. Also der Supermarkt geht deswegen nicht pleite, weil der Späti am Wochenende noch eine Milch mehr verkauft und der Späti geht aber dadurch pleite jetzt, dass er sonntags nicht mehr verkaufen darf. Das heißt jetzt haben wir mit einem Gesetz eigentlich die Existenz von ganz vielen kleinen Laden, Läden, Ladenbetreibern ruiniert und gleichzeitig gibt es andere Gesetze… Zum Beispiel darf man in fast allen Kneipen in Berlin rauchen. Wenn man sich überlegt, da haben zum Beispiel Raucher geklagt, dass sie rauchen dürfen in der Kneipe. Davon… darunter leiden aber siebzig bis achtzig Prozent der anderen Leute, nur damit sie ihr Recht auf Freiheit ausüben können. Und ich finde das ganz schrecklich, dass man da nicht vernünftig abwägt. Also ich reg mich total darüber auf. Das wird nochmal ein anderes Thema sein, Manuel. Ihr seht schon, ihr hört schon: Wir Deutschen regen uns sehr gerne auf über Sachen, die nicht in Ordnung sind.

Manuel:
[7:48] Dann haben wir ein sehr gutes Feedback bekommen von Andrew aus England zum Titel unserer letzten Podcast-Episode. Und zwar hieß die letzte Podcast-Episode: "Auf Krawall gebürstet" und wir haben das eigentlich nie erklärt und auch nicht wirklich benutzt, diesen Begriff. [Richtig.] Du hast nur einmal gesagt, als es nämlich um die Spätis auch ging, hast du gesagt: "Ich bin schon auf Protest gebürstet." Aber eigentlich heißt der Ausdruck "auf Krawall gebürstet sein" und Andrew hat geschrieben: "Was heißt 'auf Krawall gebürstet'? Ich habe gar keine Ahnung. Es steht nicht in der Vokabelhilfe. Google Translate ist auch nicht hilfreich, Wörterbücher haben mir gar nicht geholfen."

Cari:
[8:34] Also das war im Prinzip der erste große Skandal des Easy German Podcasts. Wir haben einen Titel benutzt, der weder im… der weder erklärt wird, noch überhaupt… noch überhaupt vorkommt in der Sendung.

Manuel:
[8:47] Also "auf Krawall gebürstet sein" bedeutet, und das meinte Cari vielleicht auch, als sie meinte, sie ist auf Protest gebürstet, das bedeutet, bereit zu sein, zu kämpfen für etwas und eventuell auch, ja, einen Konflikt in Kauf zu nehmen. Also wenn man bereit ist, Krawall zu machen, also Krach zu machen und, und zu kämpfen und sich zu streiten und auch einen Konflikt herbeizuführen, dann ist man auf Krawall gebürstet. So, so ist das Sprichwort. Und weil es in der letzten Folge ja an einigen Stellen auch um Protest ging und um Widerstand und solche Dinge haben wir diesen, diesen Begriff benutzt.

Cari:
[9:32] Ja. Also es ist im Prinzip, eine Einstellung. "Auf etwas gebürstet sein" ist… das heißt man ist so eingestellt, aber "bürsten", dieses Wort ist schon so widerspenstig. Wie so eine… eine Bürste hat ja Stacheln. Also das… man versteht das schon immer negativ. "Auf Krawall gebürstet" heißt: Ich will, ich will, ich will Stress machen, Manuel. Gut, haben wir noch mehr Feedback?

Manuel:
[9:57] Ja, aber da haben wir jetzt keine Zeit für. [Gut.] Aber am Ende der Episode haben wir noch ein paar Fragen von euch.

Cari:
[10:04] Wir freuen uns auf jeden Fall über euer Feedback. Schickt uns mehr!

Manuel:
[10:08] Und Fragen, aber dazu am Ende der Episode.

Thema der Woche: Ordnung

Cari:
[10:16] Manuel, ich bin schon ganz aufgeregt. Was ist unser Thema der Woche heute?

Manuel:
[10:20] Unser Thema der Woche lautet: Ordnung. [Was?] Ordnung. Wir Deutschen sind ja berühmt dafür und das ist, finde ich, ja ein Stereotyp, aber eins, was auch zumindest auf mich zutrifft, dass wir sehr ordnungsliebend sind. Und ich hab das zum Beispiel immer festgestellt als ich durch verschiedene Länder gereist bin und ich von den Leuten gehört hab, was sie für ein Bild von Deutschland haben. Da kam das immer auch mit vor, dass wir Deutschen einen Sinn für Ordnung haben und dass, dass wir, ja, gut organisiert sind. Und dass das—und das finde ich nämlich spannend—im Ausland oft als sehr positiv wahrgenommen wird. Also, dass viele Länder sich… Also ich glaube wir machen uns manchmal ein bisschen über uns selbst lustig, weil wir manchmal ein bisschen die Augen verdrehen: "Oh Gott, die ordnungsliebenden Deutschen!" So ein bisschen furchtbar. Aber im Ausland wird das sehr, sehr bewundert habe ich manchmal das Gefühl, dass wir eben Regeln haben und uns an die Regeln halten und ordentlich arbeiten und so weiter. Also ich hab das immer (so) wahrgenommen, dass die Leute das, ja, bewundern an Deutschland.

Cari:
[11:38] Ich glaube es ist mal so und mal so, weil es kann natürlich auch stark nerven, wenn dann wieder der Deutsche ankommt und sagt: "Wir müssen uns noch besser organisieren, wir brauchen noch mehr Pläne." Und ich find das Thema wirklich witzig und vielleicht darf ich das auch sagen, dass du ein sehr organisierter Mensch bist in deinem Leben und ich habe mich da auch oft drüber lustig gemacht, Manuel, dass du alles so gut organisiert hast, dass du im Prinzip… es ist schon alles… du weißt alles zu jeder Zeit, wo alles in deinem Leben ist. Du weißt, wo alle Dokumente sind, du weißt sogar… es wissen sogar alle Leute um dich herum, was im Falle deines Todes passieren soll, wenn ich das mal erzählen darf. Das erzählst du auch ganz stolz, dass du alles verplant hast in deinem Leben und das finde ich sehr wichtig… äh witzig, nicht wichtig. Wichtig ist es auch, aber ich find das vor allem witzig. Ich hab mich auch schon darüber lustig gemacht, intensiv, aber in dieser Woche habe ich dir geschrieben, dass du dadurch einen positiven Einfluss auf mich hast und ich glaube, so sind wir auch auf dieses Thema gekommen. Denn ich habe gemerkt, dass du, ohne dass du das geplant hast, mich ein bisschen positiv beeinflusst hast mit deiner Ordnungsliebe.

Manuel:
[12:48] Ja. Wir können da gerne gleich noch mal intensiv drüber sprechen, was mein System ist und meine Ordnung ist und ja, ich habe auch für den Fall meines Todes schon vorbereitet, weil tatsächlich ich zwar sonst nicht finde, dass ich ein besonders typisch Deutscher bin, aber dieser Aspekt des Typisch-Deutsch-Seins, den erfülle ich und es macht mich einfach glücklich, zu wissen: Alles ist sortiert und alles ist in Ordnung. Bevor wir aber auf mein Ordnungssystem oder vielleicht auch deins zu sprechen kommen, ich habe mal einen Artikel von der Deutschen Welle gefunden: "Die deutsche Ordnung" Werden wir natürlich verlinken. Ist ein kurzer, einfacher Artikel, und dort steht drin, dass die Deutschen gar nicht diese Ordnungsliebe erfunden haben. [Nein?] Sondern, das waren die Römer. Und dann steht in diesem Artikel: Also die Römer haben damit angefangen "und auch wir haben gelernt, seit wir keine germanischen Horden mehr sind, sondern ordentliche Deutsche, herrscht Ordnung und wir lieben sie." Und jetzt… und genau. Und jetzt mittlerweile gibt es ja auch Sprichwörter dazu: "Ordnung ist das halbe Leben" sagt der Volksmund der Deutsche. Und genau.

Cari:
[14:07] Aber wo ist denn dann die Ordnung in Italien geblieben? Weil die Römer kamen doch aus Italien.

Manuel:
[14:12] Tja, das ist eine gute Frage, vielleicht…

Cari:
[14:15] Vielleicht können uns das ein paar Italiener beantworten. Weil natürlich, mein Stereotyp von Italien ist, dass es dort nicht so viel Ordnung wie in Deutschland gibt. Und das haben mir auch schon einige Italiener erzählt und alle Deutschen sind immer ganz… also Italien ist das Lieblingsland der Deutschen, wenn es um Urlaub geht. Wir hatten auch schon mehrere Menschen, die das in unseren Videos erzählt haben, aber alle Deutschen kommen immer zurück und sagen dann: "Ja, aber leben will ich nicht in Italien. Das ist viel zu unorganisiert."

Manuel:
[14:46] Ja. Der Straßenverkehr in Rom, zum Beispiel, ist da wahrscheinlich so ein klassisches Example. Beispiel.

Cari:
[14:50] In ganz Italien glaube ich. Aber das… ich will jetzt auch keine, ich will Italien nicht verunglimpfen! Ich freue mich auf Feedback von den Italienern. Also wie kommt denn die Ordnung von den Römern zu den Deutschen? Und dann ist sie einfach hier geblieben.

Manuel:
[15:03] Die haben die Germanen sozusagen überzeugt und dann keine Ahnung.

Cari:
[15:07] Und wir haben die dann… wir haben das dann ganz treu adaptiert und die Italiener haben dann irgendwann später gesagt: Ne.

Manuel:
[15:14] Anscheinend. Und es zieht sich ja auch tatsächlich richtig durch unsere Sprache. Das stand in diesem Artikel auch noch mal. Wir sagen zum Beispiel: Der und der Mensch ist in Ordnung. Und "in Ordnung" bedeutet: Der ist nett, der ist cool. Auf den kann man sich verlassen, den mag ich. Und wir beschreiben das als "in Ordnung". Und tatsächlich, direkt hier gerade vor unserem Büro habe ich einen Mülleimer gesehen. Hast du… kennst du den? Hast du den gesehen? [Ne.] Ich zeig dir mal kurz das Bild und wir posten es in die Show Notes. Auf diesem Mülleimer steht: "Du bist voll in Ordnung!" Und das ist natürlich ein Wortspiel, weil dieser Mülleimer sorgt für Ordnung. Und wenn du den benutzt, dann bist du in Ordnung. Dann bist du ein guter Mensch, dann bist du ein Mensch, der in Ordnung ist. Und so gibt es viele andere Begriffe auch noch in der deutschen Sprache, die mit Ordnung zu tun haben.

Cari:
[16:11] Ich habe Jeremy zum Beispiel diese Woche unter großem Lachen erzählt, dass wir in Deutschland auch ein Ordnungsamt haben. Also das sind Menschen, die sind quasi wie die Polizei, aber ohne Befugnisse der Polizei, also die dürfen nicht… ja die sind quasi keinen richtigen Polizisten, sondern die gucken nur, ob alles in Ordnung ist. Und die können zum Beispiel dann in den Späti gehen und sagen: "Hey, du hältst dich aber nicht an die Vorschriften." Die kommen zum Beispiel zu einer Party, wenn es zu laut ist. Oder die gehen durch den Park und sagen: "Hey, du darfst hier nicht grillen!" Also sowas, ich glaube sowas gibt es in anderen Ländern gar nicht, oder?

Manuel:
[16:50] Ja. Die sorgen für Ordnung. Und genau, ich glaube in, in vielen anderen Ländern macht das die Polizei. Oder das ist Teil der Aufgabe der Polizei, aber bei uns ist das so ein bisschen abgestuft. Die Polizei ist wirklich für Verbrechen zuständig, aber wenn es nur darum geht, dass Ordnung herrscht, dafür gibt es das Ordnungsamt. Und—das ist dann nämlich auch interessant—eine kleine… wenn man ein ein kleines Gesetz bricht, wenn man zum Beispiel bei rot über die Ampel geht oder wenn man falsch parkt oder bestimmte Dinge, die jetzt nicht unbedingt wirklich jemandem schaden, die aber schon gegen das Gesetz sind, die sind eben keine Straftat, sondern—in anderen Ländern, auf Englisch hab ich grad mal geschaut, nennt man das dann meistens "an infraction" oder "contravention"—auf Deutsch ist das eine Ordnungswidrigkeit. Also man hat sich der Ordnung widersetzt oder hat etwas gegen die Ordnung getan und das ist eine Ordnungswidrigkeit. Und der Unterschied zu einer Straftat ist, dass man in der Regel nur ein Bußgeld bezahlen muss und dass man dafür, ja, keine große Strafe bekommt. Es gibt auch keinen Prozess, man bekommt einfach einen Brief, einen Bescheid und, ja: "Sie haben eine Ordnungswidrigkeit begangen, kostet dreißig Euro."

Cari:
[18:08] Ich gucke gerade mal. Ist das tatsächlich so, dass über rot fahren nur eine Ordnungswidrigkeit ist?

Manuel:
[18:14] Na mit dem Auto über Rot fahren ist, ist, ist mehr als eine Ordnungswidrigkeit in der Regel, aber wenn du als Fußgänger über rot gehst, dann ist es meistens nur eine Ordnungswidrigkeit. So genau kenne ich mich da auch nicht aus, ich bin kein Anwalt oder Richter.

Cari:
[18:28] Ja ich google hier gerade den Bußgeldkatalog. Rote Ampel, das fängt an bei "Ampel bei Rot überfahren", "andere gefährdet", "Sachschaden verursacht", "länger als eine Sekunde später gefahren". Das geht bis zu dreihundertsechzig Euro.

Manuel:
[18:43] Ja, es kommt immer ein bisschen darauf an. Aber es gibt jedenfalls im Deutschen diesen diesen Unterschied: Hast du wirklich eine Straftat begangen oder hast du nur die Ordnung gestört?

Cari:
[18:52] Missachtet.

Manuel:
[18:54] Ja. Okay, also möchtest du mehr über meine… mein Ordnungs-System wissen?

Cari:
[19:00] Unbedingt, weil ich habe jetzt ein bisschen Angst vor dem Thema, Manuel. Wir haben jetzt nur über die negativen Seiten der Ordnung in Deutschland gesprochen. Was ist denn das positive an Ordnung? Kannst du mir das erklären?

Manuel:
[19:11] Genau, also für mich bedeutet Ordnung einfach nur, dass mein Leben so organisiert ist—das hat auch was mit einem System eigentlich zu tun—dass ich mir keine großen Gedanken darüber machen muss. Also ich habe sozusagen Systeme: Dort sind meine Notizen festgehalten. Dort sind meine Dokumente festgehalten. Dort sind meine… ja, ich habe verschiedene, sozusagen, Systeme wo alles gut organisiert ist und mir gibt das einfach ein beruhigtes Gefühl, dass ich immer weiß: Wo sind alle Unterlagen? Wo sind alle Dinge? Und ja, es ist einfach alles sortiert und in Ordnung. Wenn ich zum Beispiel einen Brief bekomme oder ein gedrucktes Dokument, wird das sofort gescannt mit dem iPhone und landet automatisch in einem Ordner, wo es dann später einmal einsortiert wird. Aber ich scanne es ganz einfach und wenn es jetzt nicht gerade was ganz Wichtiges ist, was ich auf jeden Fall im Original auf Papier behalten muss, weil es ein wichtiges Zeugnis ist oder so, wird der Brief auch gleich weggeschmissen. Also bei mir ist eigentlich alles digital und ist dann sortiert in Dropbox. Genau und dann…

Cari:
[20:21] Wie ist dann der weitere Prozess? Was passiert dann mit diesem Brief als nächstes?

Manuel:
[20:24] Na, der landet also erstmal in dieser, in diesem… also ich nenne das "Inbox". In einem Ordner, wo er erstmal einfach nur rein kommt, ohne dass ich drüber nachdenken muss und ungefähr alle drei Monate sortiere ich die Dinge in dieser Inbox, aber ich hab noch andere Inboxen. Ich habe zum Beispiel eine Inbox für Ideen, die ich habe. Ich habe eine Inbox für andere Notizen und so weiter. Das heißt, ich kann erst mal alles einfach, wenn etwas Neues bei mir im Leben entsteht oder anfällt, eine Notiz oder ein Dokument, was auch immer, kommt das einfach in eine entsprechende Inbox und alle drei Monate nehme ich mir so einen halben Tag und sortier die Sachen dann entsprechend ein. Aber das, das mache ich nur einmal alle drei Monate, damit das sozusagen mich nicht im Alltag beschäftigt.

Cari:
[21:12] Ja, weißt du, wie ich das mache? [Wie machst du das?] Ein Brief kommt an, ich lege ihn auf den Schreibtisch, da liegt er dann. Dann kommt ein neuer Brief, lege ich den oben drauf. Dann verreise ich für drei Wochen, dann kommen ganz viele Briefe. Dann ist es mir schon zu viel, die aufzumachen. Dann mache ich die irgendwann mal auf, fange an, merke: Oh! Da resultiert Arbeit aus diesen Briefen. Dann mache ich nur die Hälfte auf. Ja und dann liegen die da und irgendwann nach drei Monaten mache ich alle Briefe auf, dann merke ich: Oh! Da sind schon einige Deadlines abgelaufen und dann antworte ich den Leuten und sage: "Entschuldigung, ich war verreist."

Manuel:
[21:46] Das würde mich völlig verrückt machen, da somit umzugehen. Also der andere wichtige Teil bei meinem System ist natürlich, dass sich eine To-Do-Software benutze, Things, da habe ich dich auch schon überzeugt, diese App auch zu kaufen. [Das ist korrekt.] Und das ist eine sehr mächtige Applikation, wo…

Cari:
[22:04] "Mächtig" im Sinne von, sie bestimmt dein Leben? Oder sie ist sehr voll? Oder sehr…

Manuel:
[22:08] Mächtig von… also sie kann sehr viel übernehmen. Also bei mir ist in Things sowohl etwas ganz kleines, alltägliches wie meine Einkaufsliste, was ich gleich noch im Supermarkt kaufen muss, bis hin zu: Das sind Ziele, die will ich irgendwann mal im Leben erreichen, eine "Bucket List" sagt man auf Englisch, Länder in die ich irgendwann mal reisen will, Dinge die ich irgendwann mal umsetzen will in meinem Leben. Das ist bei mir alles in Things sortiert. Also grundsätzlich alles was man irgendwie mal abhaken kann, egal ob das morgen ist oder heute Abend oder in zwanzig Jahren ist bei mir in Things. Und das meine ich mit "mächtig". Also es ist so allumfassend für mich. Wenn ich zum Beispiel einen Brief bekomme mit einer Deadline, dann nehme ich mir die fünf Sekunden, kurz in Things hinzuzufügen: "Brief beantworten" und setzt gleich schon die Deadline mit rein in diesen Punkt, um dann… ja, dann werde ich daran erinnert und muss mir keine Sorgen mehr machen, ob ich das jetzt vergesse oder nicht, weil ich weiß, ich werde dran erinnert.

Cari:
[23:10] Das finde ich sehr gut und das… also ich habe jetzt… diese Software benutze ich seit zwei Wochen. Es gibt übrigens auch andere Softwares die ähnliche Sachen machen wie "To Do List" zum Beispiel und ich, also ich hab früher einfach To Do Listen auch geführt. Ich bin ja auch Deutsch, also ich lache zwar über deinen Ordnungssinn, aber ich liebe es auch, Sachen zu sortieren und vor allem will ich Sachen nicht vergessen, das ist für mich das Schlimmste, was aber auch negativ schon sein kann, weil wenn man sich… wenn man immer Panik hat, dass man Sachen vergisst, dann wird das schon leicht nervig. Und ich habe auf jeden Fall immer alles aufgeschrieben auf einen Ordner, den ich immer mit mir rumgetragen habe und dann habe ich die wichtigen Dinge in gelb markiert und die ganz wichtigen Dinge in rot und wenn ich was geschafft habe, habe ich das durchgestrichen in schwarz und das war immer ein sehr gutes Gefühl, wenn man etwas erledigt hat. Und ich habe jetzt vor zwei Wochen tatsächlich diese Liste übertragen in diese Software, hab die Liste weggeschmissen und dachte für die ersten drei Tage: Panik, ich habe jetzt gar nicht mehr den Überblick über all meine Aufgaben und nach einer Woche dachte ich: Oh, das ist aber sehr entspannt, dass ich nicht mehr den Überblick über all meine Aufgaben habe, denn wenn man einen Überblick hat über alles, was man in den nächsten Monaten machen muss, das ist auch eine sehr lange Liste und die kann auch manchmal sehr überfordern.

Manuel:
[24:34] Das stimmt. Genau. Und das finde ich eben auch gut an dieser App, dass man… ja, man muss nicht alles auf einen Schlag sehen. Man kann sich auf ein bestimmtes Projekt fokussieren. Und gleichzeitig dieser Effekt, dass du was abhakst und dann ist es weg und du hast es geschafft, der ist bei mir trotzdem da. Und das ist, glaube ich, auch ein großer Grund, warum ich das so liebe. Weil, ja, ich den Tag über kleine Aufgaben immer wieder abhake und dann verschwinden die aus dieser Liste und das ist für mich so ein kleiner Endorphin-Kick, ich hab wieder was geschafft heute, ich war produktiv.

Cari:
[25:07] Ja das klingt ja interessant. Und wie viele Aufgaben hast du zum Beispiel heute noch auf der To-Do-Liste? Erzähl mir doch mal, Manuel. Ich meine gerade mal aufgemacht. Ich habe jetzt noch dreizehn Sachen, die ich heute erledigen sollte, werde aber davon ungefähr achtzig Prozent auf andere Tage verschieben.

Manuel:
[25:25] Ja, also bei mir ist es tatsächlich so, ich habe eigentlich nur noch, nur einen Task, der definitiv heute sein muss, aber ich werde danach trotzdem noch in anderen Projekten weiterarbeiten, wo ich hoffentlich, ja weiß ich nicht, fünf bis zehn kleinere Tasks abarbeite, aber wenn die heute nicht klappen, dann mache ich die morgen. Also, das ist bei mir relativ flexibel.

Cari:
[25:47] Ja und jetzt kann ich vielleicht mal erzählen, was ich da so drin habe. Da sind zum Beispiel einfach Aufgaben für Easy German, für Seedlang, für Easy Languages, für meine Steuer, wenn ich zum Beispiel irgendwelche Unterlagen noch einreichen muss-Da steht dann zum Beispiel drauf, ich muss noch eine E-Mail schreiben an diese Person, ich muss ein Video schneiden, ich muss ein Video veröffentlichen. Aber was ich wirklich verrückt finde ist, dass bei dir stehen Sachen drauf, die du vielleicht in fünf Jahren mal machen willst oder sollst, wie zum Beispiel "Bungee Springen" oder sogar… [Das habe ich schon gemacht.] oder sogar Sprachen lernen. Da steht drauf, welche Sprachen du noch in Zukunft lernen willst mit Detail-Aufgaben darunter. Kann man das so sagen?

Manuel:
[26:35] Ja, die Detail-Aufgaben sind nur bei den Sprachen, die ich schon lerne, aber ich habe eben auch, ja, Projekte angelegt, die ich irgendwann mal angehen will, wie zum Beispiel… ja, irgendwelche Dinge, die ich irgendwann mal lernen will. Die sind im Moment noch sozusagen ausgeblendet als "da habe ich im Moment keine Zeit für", aber ich kann ja mal kurz schauen. Ich habe zum Beispiel so Dinge wie irgendwann möchte ich transzendentale Meditation lernen, zum Beispiel.

Cari:
[27:06] Das ist… steht jetzt schon auf der To-Do-Liste?

Manuel:
[27:07] Das steht schon drin, drauf. Oder ich möchte es lernen, Drinks zu mixen. Also wie in einer Bar. Also professionell Drinks zu mixen. Oder ich möchte, ja, irgendwann wieder Schlagzeug-Unterricht nehmen. Habe ich schon mal als Jugendlicher und… [Das steht da schon drauf?] Das steht da schon drauf, einfach…

Cari:
[27:27] …damit du nicht vergisst, welche Träume du in Zukunft noch verwirklichen könntest.

Manuel:
[27:32] Ja, es geht gar nicht so sehr ums Vergessen. Es geht darum, dass ich das auch gerne… Ich mache diese Liste auch manchmal gerne auf und schaue, ach, das sind alles Sachen, die ich noch in meinem Leben mal angehen möchte. Mir gibt das einfach ein gutes Gefühl.

Cari:
[27:42] Hast du auch so eine Bucket List da drin?

Manuel:
[27:46] Ja. Aber die ist geheim.

Cari:
[27:47] Ah, die ist geheim. Kannst du eine Sache von deiner Bucket List erzählen, die veröffentlicht…

Manuel:
[27:52] Möchtest du aus meiner "Berlin" Bucket List, aus meiner "Reise" Bucket List, aus meiner "Eines Tages umsetzen" Bucket List?

Cari:
[27:59] Ja, erzähl mal einen aus deiner "Berlin" und einen aus deiner "Reise"…

Manuel:
[28:04] Okay, also…

Cari:
[28:04] Ich find's gut, dass zu mehrere Bucket Lists hast. Falls eine nicht genug ist.

Manuel:
[28:11] Also auf meiner Berlin Bucket List was ganz Harmloses ist zum Beispiel, dass ich… Ich habe eine Werbung gesehen für eine Ausstellung "Nineties", "Nineties Berlin". Das ist eine Ausstellung über die neunziger Jahre. Und weil ich eigentlich ein großer Fan der neunziger Jahre bin, möchte ich gerne in diese Ausstellung gehen.

Cari:
[28:28] Hab ich auch schon mal gesehen. Aber stresst dich das nicht, dass du eine To-Do-Liste hast, die voll ist mit Sachen, die du vielleicht irgendwann mal machen könntest, aber nicht musst. Weil für mich ist die einzige, also der Hauptgrund, dass ich diese Liste habe ist, dass ich… also jemand, also eine Software für mich managt, dass ich die Sachen nicht vergesse. Also da stehen nur Sachen drin, die ich machen muss. Und das einzige, was ich jetzt angefangen habe, was quasi optional ist, ist, ich habe jetzt eine Netflix-Liste angelegt, weil ich wollte mal ausprobieren, wie das funktioniert und ob das Sinn macht. Weil mir ist aufgefallen, dass ich oft mit anderen Leuten über Filme spreche oder ich… entweder selber will ich Empfehlungen haben oder Empfehlungen geben und dann erinnere ich mich nur: "Ah, da war diese Serie mit dem Typen oder es ging um das" und ich erinnere mich schon nicht mehr, was ich überhaupt geguckt habe und deshalb habe ich jetzt eine Liste angelegt mit Serien und Filmen, die ich bei Netflix geguckt habe und Serien und Filmen, die ich noch gucken möchte. Macht das Sinn?

Manuel:
[29:32] Ja, ich habe auch Listen für Filme, für Serien, für Bücher vor allem. Bei mir sind das allerdings, ja, erstmal nur die, die ich noch gucken oder lesen will und wenn ich sie abhake, dann wandern sie natürlich ins Archiv. Dafür habe ich dann schon wieder auch ein anderes System. Also wenn ich ein Buch lese, zum Beispiel, mache ich mir dabei in der Regel Notizen oder streiche mir Dinge an und die kommen bei mir in eine andere Software.

Cari:
[29:55] In welche?

Manuel:
[29:56] In Day One. Das ist eine Tagebuch App, in der ich auch jeden Morgen Tagebuch schreibe, journale, und dort kommen auch meine Notizen und meine Gedanken zu den Büchern rein, die ich lese. Das heißt, es ist noch mal ein anderes System. Aber in Day One… in Things sind tatsächlich, ist eine Liste mit den Büchern, die ich noch lesen werde auch sortiert nach nach Kategorie, ja.

Cari:
[30:18] Ok Manuel, dann habe ich jetzt eine wichtige Frage: Gibt es irgendwas in deinem Leben, was du machst, so im Alltag, was du nicht vorher geplant und aufgeschrieben hast oder später aufschreibst und digital oder schriftlich verarbeitest?

Manuel:
[30:34] Also da ich jeden Morgen journale und meistens neben meinen Gedanken und Gefühlen auch kurz zumindest aufschreibe, was am Vortag passiert ist und ich auch sehr oft Fotos eigentlich mache im Alltag, gibt es wahrscheinlich wenige Dinge, die nicht dokumentiert sind irgendwo. Das stimmt schon. Aber ja, nochmal, also diese Dinge, diese Bucket Lists zum Beispiel: Für mich ist das insofern eine Befreiung, als das… Es ist jetzt für mich kein Zwang, dass ich alle diese Dinge umsetzen muss. Also es ist nicht so, dass ich denke: Ich darf auf keinen Fall sterben, bevor alles abgearbeitet ist in dieser App. Sondern es ist eher andersrum so, wenn ich irgendwann den Gedanken hätte: Ach das würde ich gerne noch mal machen, dann schreibe ich das auf und jetzt weiß ich einfach, ich muss da jetzt nicht mehr dran denken. Wenn ich jetzt Besuch bekomme von jemandem und der oder die sagt: "Was können wir denn Schönes machen in Berlin?" Dann habe ich natürlich bestimmte Empfehlungen vielleicht, die man immer machen kann, aber ich habe auch meine Liste an Dingen, die ich gerne noch machen würde und muss jetzt nicht überlegen, was war das noch, was habe ich da damals gesehen? War das was mit den neunziger Jahren? Ich gehe einfach in meine Liste und da stehen alle die Dinge, die ich gerne noch machen würde und dann können wir uns da was Schönes draus aussuchen.

Cari:
[31:49] Ja, liebe Zuhörer, wenn ihr euch schon immer gefragt habt: Wie ticken eigentlich diese Deutschen? Was ist los mit denen? Warum sind sie so ordnungsliebend? Dann habt ihr jetzt ein perfektes Exemplar kennengelernt, denn ihr wisst jetzt wie ein typischer Deutscher—ich nenne dich einfach mal so, Manuel [danke]—seinen Alltag plant. Manuel isst morgens immer zum Frühstück, die Sachen, die er am Tag vorher auf seiner To-Do-Liste hatte und eingekauft hat.

Manuel:
[32:13] Das stimmt nicht. Das stimmt nicht.

Cari:
[32:16] Dann schreibt er darüber ein Tagebuch, was er gegessen hat [Das stimmt auch nicht!] und dann werden Fotos von seinem Essen in einer App verarbeitet.

Manuel:
[32:23] Das war klar, dass das jetzt hier durch den Kakao gezogen wird. Ich wollte auch noch, das… du hast das vorhin nämlich kurz angesprochen, dass ich auch für meinen eigenen Tod geplant habe und es ist nämlich… Ich finde das so seltsam, dass das so ein Tabuthema ist in unserer Gesellschaft und dass wir alle so tun, als würden wir nicht sterben irgendwann und man soll da auf keinen Fall drüber reden. Ich finde das völligen Quatsch. Für mich ist das, also, also ich halte es für relativ wahrscheinlich, dass auch ich eines Tages sterben werde. [Echt?] Basierend auf dem, was mit allen Menschen, die vor mir jemals gelebt haben, passiert ist und ich finde es erstens… also das Wissen und sich das auch präsent zu halten, dass das passieren wird, hilft mir persönlich mehr im Jetzt zu leben und mehr den aktuellen Tag wirklich zu genießen, weil ich weiß, hey, es kann auch jederzeit vorbei sein und ich finde das eher einen positiven Gedanken, dass ich weiß, jetzt ist es aber noch nicht so. Ich lebe und ich muss den heutigen Tag genießen. Und sich aber trotzdem darauf vorzubereiten. Ich möchte einfach wenn ich irgendwann sterbe, nicht mit dem Gefühl sterben: Oh nein, es gibt irgendwie Dinge, die hätte ich unbedingt vorher sortieren müssen oder machen müssen und jetzt ist das nicht so und jetzt bringt mich das in Stress und was, was ich einfach nur vorbereitet habe—auch schon seit Jahren, schon als ich glaube ich sechzehn war habe ich das schon gemacht—ist einfach erstmal so bestimmte Entscheidungen zu treffen. Was möchte ich denn, was mit meinen sterblichen Überresten passiert und so weiter? Da bestimmt einfach zu definieren: Was, was wünsche ich, was möchte ich. Also man nennt das eigentlich einen Willen, ja, und dann sicherzustellen, dass… also ich bin ja auch ein bisschen ein Nerd, so.

Cari:
[34:21] Ein bisschen.

Manuel:
[34:22] Und meine Daten und meine Geräte und so weiter sind eigentlich sehr gut abgesichert. Also wenn ich jetzt tatsächlich gleich vor einen Bus laufen würde und sterben würde, hätte niemand Zugriff auf meine Geräte, weil die einfach sehr gut verschlüsselt sind, so. Das halte ich auch für sinnvoll, dass das so ist. Gleichzeitig gibt es bestimmte Dinge, vor allem eben zum Beispiel Fotos und Videos aus meinem ganzen Leben, von denen ich schon möchte, dass bestimmte Menschen aus meiner Familie zum Beispiel, Zugriff darauf haben, falls sie diese Dinge haben möchten. Und dafür habe ich einfach auch vor langer Zeit schon ein System mir ausgedacht, das sicherstellt, dass das so ist. Dass wenn ich, ja, wenn mir was zustoßen sollte, dass die Leute Zugriff auf diese Dinge trotzdem haben. Und ich finde das irgendwie… wenn ich das manchmal Leuten erzähle, die sind dann so: "Aber hallo, du bist doch noch so jung" und so. Natürlich rechne ich nicht damit, dass ich nächstes Jahr oder morgen sterbe und hoffe nicht, dass es so ist, aber ich finde auch, ganz ehrlich, ich kann es doch nicht wissen. Ich kann mir doch nicht anmaßen, dass ich neunzig Jahre alt werde. Weiß man doch nicht. Und deswegen finde ich's gut vorbereitet zu sein.

Cari:
[35:35] Ich find das auch interessant und ich find das auch wichtig, dass du das machst, oder sagen wir, ja, wichtig ist eben genau die Frage. Ich mache das nicht so genau, weil ich das teilweise nicht wichtig finde. Also ich habe mal… irgendwann saßen wir in einem Flugzeug, das so durchgestartet ist und es kamen so Untergangsszenarien in meinen Kopf. Ich wusste, Janusz hat schon panische Angst. Und dann habe ich kurz nachgedacht, was jetzt passiert, wenn wir jetzt sterben würden und habe tatsächlich als erstes überlegt: "Haben Leute in meiner Umgebung, die das haben sollen, Zugang zu unserem YouTube Account, unserem Patreon Account, zu allen Sachen, weil ich einfach möchte, dass… wir haben etwas geschaffen in unserem Leben, was ich gerne möchte, was weiter existiert. Ob das jetzt jemand weitermacht oder nicht, weiß ich ja nicht. Also das müssen dann andere selber entscheiden, ob die jetzt dann weiter YouTube Videos machen möchten unter unserem Namen. Du zum Beispiel, Manuel, du solltest das dann machen. Aber das ist ja eine andere Entscheidung, aber die Frage ist erstmal: Ist es technisch möglich? Und das habe ich tatsächlich, daran habe ich als erstes gedacht, als ich in dem Flieger saß. Und dann habe ich gemerkt, ah ja, alle meine Passwörter sind da, die und die Leute haben Zugang, alles ist gesichert. Dann habe ich mich beruhigt und dann habe ich mich darum gekümmert, Janusz zu beruhigen. Und dann haben wir überlebt, übrigens. Falls du es noch nicht gemerkt hast.

Manuel:
[36:57] Und das, Cari, ist genau der Punkt. Mir geht es gar nicht so sehr, wahrscheinlich… also es ist gar nicht mal so jetzt ein reines Ding der Nächstenliebe, dass es mir so sehr um die, um die Leute geht, dass die dann unbedingt diesen Zugriff haben. Es geht mir mehr darum, dass ich… also gut, wenn ich vor einen Bus laufe und ich hab sowieso keine Zeit, nachzudenken ist es vielleicht egal. Aber in so einer Situation, wo du weißt: Oh, ich habe nur noch zehn Minuten, eine Stunde, einen Tag, eine Woche, was auch immer, dann möchte ich in diesem Moment mich nicht drum kümmern müssen. Ich möchte mich dann nicht drum kümmern müssen, und deswegen habe ich einfach dieses System irgendwann mir aufgesetzt, dass es einfach immer schon organisiert ist.

Cari:
[37:39] Ja. Wir gleiten jetzt leicht ab mit dem Thema Tod. Aber vielleicht können wir ja nochmal auf das, vielleicht können wir da ja noch mal darauf zurückkommen, weil ich, was ich zum Beispiel… Vielleicht noch eine letzte Sache zu dem Thema. Was ich noch wichtiger finde, wenn ich in dem Moment bin zu sterben, dann möchte ich eigentlich, also dann möchte ich mich natürlich nicht so viel mit solchen technischen Fragen befassen. Ich möchte sicher sein, dass ich in meinem Leben meine Zeit nicht vergeudet habe. Denn es gibt es, es gibt oder gab oder gibt immer noch Studien dazu, was Leute bereuen, also die im Sterben liegen und das sind, ganz interessant, ganz groß sind glaube ich, drei oder fünf bekannte Dinge, die immer wieder passieren, ich weiß nicht ob du sowas schon mal gelesen hast. Und das ist mir schon relativ früh klar gewesen in meinem Leben, dass ich erstens kein konventionelles Leben führen möchte, wo ich in irgendwas gefangen bin, was ich nicht möchte. Also zum Beispiel morgens zur Arbeit gehen, an etwas arbeiten, an das ich gar nicht wirklich glaube, nur damit ich irgendwie abends nach Hause kommen kann und dann mir Produkte kaufen kann, die mich beruhigen. Und das ist mir noch wichtiger, also das ist noch wichtiger als die Ordnung, ist einfach zu wissen… und das das ist etwas zum Beispiel, was ich in meinem Leben, wo ich wirklich sicher bin: Ich kann morgen sterben und es braucht sich keiner Sorgen machen, dass ich mein Leben nicht so gelebt habe, wie ich es wollte, denn ich habe eigentlich jetzt schon alles gemacht und schon alles erreicht, was ich wollte und deswegen: Falls ich morgen umkippe wisst ihr Bescheid, dass ich glücklich gelebt habe.

Manuel:
[39:16] Das geht mir ganz genauso und ich habe diese Studien auch schon mehrmals gelesen und in der Regel, das Einzige, was die Leute bereuen, wenn sie im Sterben liegen ist, dass sie nicht genug Zeit mit bestimmten Personen verbracht haben oder bestimmten Personen nicht genug gesagt haben, wie sehr sie sie lieben oder wertschätzen und es ist nie: "Ich bereue so sehr, dass ich dieses Produkt nicht gekauft habe" oder "diesen Test nicht bestanden habe" oder solche Dinge.

Cari:
[39:44] Ja. "Dass ich nicht im Urlaub auf den Malediven war." Ne, es sind meistens diese drei Dinge, dass du an etwas gearbeitet hast, dass du nicht an etwas gearbeitet hast, was dir was bedeutet hat. Dass du nicht genug Zeit mit den Menschen verbracht hast, die dir was bedeuten. Und dass du den Menschen, die dir etwas bedeuten, nicht gesagt hast, dass sie dir etwas bedeuten. Gut, dann würde ich sagen haben wir gleich zwei Themen heute abgefrühstückt. Das ist auch ein schöner Ausdruck. Wenn man etwas "abfrühstückt", dann hat man das [abgearbeitet] abgearbeitet oder abgehakt. [Bearbeitet.] Und liebe Zuhörer, mich würd jetzt mal interessieren, was ihr dazu denkt! Denkt ihr jetzt gerade: "Oh Gott, worüber reden die die ganze Zeit? Jetzt verstehe ich endlich, was in Deutschland los ist, warum alle so, so auf Ordnung bedacht sind, warum sich alle so um Ordnung kümmern." Oder denkt ihr: "Ja, das ist ja alles ganz normal, so lebe ich mein Leben auch." Wir würden uns dann mal über Kommentare und weiterführende Fragen freuen, denn mich interessiert tatsächlich: Haben wir uns jetzt gerade als typische Deutsche geoutet und denkt ihr, das ist völlig verrückt, wie wir unser Leben ordnen mit Apps und Journalen und To-Do-Listen oder sagt ihr: "Nö, so bin ich eigentlich auch." Manuel, möchtest du das auch erfahren?

Manuel:
[41:10] Ja. Warum nicht?

Eine schwierige Entscheidung: Chaos in der Wohnung oder im Computer

:
[41:18] Cari, würdest du lieber… also du hast die Wahl: Es gibt eine, einen Ort in deinem Leben an, wo jetzt immer Chaos herrscht und du kannst es nicht mehr aufräumen. Also das ist quasi unmöglich, das jetzt aufzuräumen. Es ist immer einfach Chaos. Und die zwei Orte sind entweder physikalisch deine Wohnung, also du kannst, also es ist schon, sagen wir mal, sauber in dem Sinne, es ist jetzt nicht eklig, es sind keine Bakterien oder so, aber es ist halt, der Schrank ist total unaufgeräumt, der Schreibtisch, also die Wohnung ist unaufgeräumt. Oder der Computer, deine Dateien, du kannst keine Ordner mehr anlegen. Alles ist in einem Ordner, es gibt keine digitale Ordnung, keine Mails… Du kannst die Mails nicht mehr einsortieren. Völliges Chaos für immer in der Wohnung oder im Computer?

Cari:
[42:06] Das ist eine ganz schreckliche Frage, Manuel. Das ist richtig… das ist eine richtig schlimme Frage, denn tatsächlich bin ich ein Mensch… interessanterweise bin ich als Messie aufgewachsen ein bisschen. Nämlich, ich habe meine, gegen meine Eltern rebelliert. Meine Eltern haben ein Haus, wo alles picobello ist, sagt man auf Deutsch auch. Also alles ist ordentlich. Es gibt sogar einen Plan, wann geputzt wird. Es liegt nicht ein… es liegt nichts auf dem Boden. Es ist immer alles aufgeräumt und sauber. Und ich hab in meinem Zimmer immer… was ich gemacht habe, ich habe mit vierzehn oder so, glaube ich, angefangen Müll zu sammeln und nach Hause zu bringen. [Oh Gott.] Also auf dem Sperrmüll, auf, also überall wo einfach was auf der Straße lag, was ich dachte, das kann ich noch gebrauchen. Ich habe Sachen von Baustellen mitgenommen, ich habe Einkaufswagen mit nach Hause genommen, hab die in meine Wohnung gestellt. Ich habe mein Zimmer einfach völlig, völlig zugestellt mit, also mit, mit Müll, kann man sagen. Ich habe auch sogar Klamotten auf der Straße gefunden und die dann angezogen. Dann habe ich mir die Haare abgeschnitten und war dann ein Punk. Also ich habe das als Kind exerziert oder als Jugendliche, exzessiv habe ich das ausgeübt und jetzt ist mir aber aufgefallen, umso älter ich werde, desto mehr werde ich wie meine Eltern und ich mag das sehr, dass der Schreibtisch nur, also dass da nur ein Becher mit Stiften ist und mein Computer. Ich mag das auch, dass die Regale ordentlich aussehen und das wir generell nicht viel in der Wohnung haben. Und Janusz ist das komplette Gegenteil. Also in seinem Zimmer, also das ist auch gleichzeitig unsere Küche, deswegen müssen wir dringend in eine große Wohnung ziehen, damit er wirklich ein eigenes Zimmer hat, wo ich nicht rein muss. Da… Er mag das richtig, alles voll zu hängen und er hat auch ein bisschen Ordnung, aber es ist nicht in meinem Ordnung-Sinn. Deswegen ist es jetzt schon so, dass die Wohnung halb halb ist. Die ist halb geordnet und halb nicht geordnet. Und ich würde mich deshalb für die Wohnung entscheiden, würde mir dann aber ein Büro zulegen, wo alles ganz geordnet ist, geht das?

Manuel:
[44:22] Okay, das können wir machen.

Cari:
[44:24] Weil, mit dem Computer, das, das geht nicht. Also wenn ich… also mir macht das Spaß, ich verbringe in meinem Computer mehrere Stunden am Tag und da muss das so geordnet sein, dass ich schnell auf Dateien zugreifen kann. Wenn das nicht der Fall ist, dann kann ich ja nicht effektiv arbeiten und dann werde ich ein unglücklicher Mensch.

Ausdruck der Woche: Alles im grünen Bereich

Cari:
[44:52] Ein Ausdruck der Woche, der ganz gut zu unserem, zu unserem Thema heute passt. Also, wir hatten ja schon mehrere Ausdrücke eigentlich zum Thema Ordnung, aber auf eins sind wir, ja bin ich zufällig die Tage gestoßen. Der Ausdruck heißt: "Es ist alles im grünen Bereich." Und zwar wenn in… wenn man, ja, im Prinzip heißt das, es ist alles in Ordnung auch. Im grünen Bereich, man kann zum Beispiel sagen: Es ist irgendwas passiert, ist etwas schief gegangen und der andere antwortet… und ich frage dich: "Ist alles okay? Ist alles in Ordnung?" und du antwortest:

Manuel:
[45:33] Es ist alles im grünen Bereich.

Cari:
[45:35] Genau. Dann heißt das es ist alles in Ordnung. Und dann habe ich nachgeguckt, wo das herkommt.

Manuel:
[45:40] Okay, ich wollte es nämlich grad schon googeln. Wo, wo kommt es her? Darf ich raten? [Ja klar!] Hat das was mit dem Fußball vielleicht zu tun? [Ne.] Ne. Straßenverkehrsordnung?

Cari:
[45:52] Es ist… Ne, nicht direkt, aber es ist tatsächlich hat das einfach was mit den Farbsignalen zu tun und tatsächlich ist ja bei Mess- und Kontrollgeräten oder generell, würde ich sagen, bei fast allen Geräten: Grün ist immer "es ist alles gut", gelb ist schon "Alarm" und rot ist "ein Problem". Und deshalb sagt man einfach, wenn alles gut ist, dann ist es im grünen Bereich. Also zum Beispiel auch unsere Audio-Aufnahmen, wenn wir wollen, dass es nicht zu laut ist, rot ist schon übersteuert, grün ist… [Stimmt.] wenn es im grünen Bereich ist es, ist ist es gut und so passt das ganz gut zu unserer Ordnung. Also wenn ihr mal gefragt werdet, ob ihr, ob alles gut gelaufen ist, dann könnt ihr sagen: Es ist alles im grünen Bereich.

Das nervt: Regelhörigkeit

Manuel:
[46:46] Weißt du, was mich nervt, Cari? So, so sehr ich ein ein ordnungsliebender Mensch bin, wie wir gerade lang und breit diskutiert haben, mich nervt es…

Cari:
[46:56] Darf ich raten? [Ja.] Unordnung?

Manuel:
[47:01] Naja, Unordnung nervt mich nicht, weil ich ja dafür sorgen kann, dass sie bei mir nicht stattfindet. Und es nervt mich nicht, wenn andere Leute unordentlich sind. Das… [Ne?] Nö, das nervt mich überhaupt nicht, das ist ja… hat ja nichts mit meinem Leben dann zu tun. Nein, was mich tatsächlich nervt ist, wenn Ordnung zu weit getrieben wird. Ordnung oder halt auch, ja, Regelhörigkeit. Also wenn wir in Deutschland uns zu sehr darauf fokussieren, dass die Regeln eingehalten werden, dass alles genau nach Recht und Ordnung laufen muss, so wie es irgendwo mal steht und stand. Und ich habe da ein Beispiel, ich habe das, ich war nicht selbst dabei bei dieser Geschichte, aber ich habe das auf Twitter gelesen und ich finde, das ist so ein, ja, so eine Geschichte, das ist irgendwie so richtig typisch: Deutschland, Ordnung zu weit getrieben. Also ich fasse die mal zusammen wir, wir, wir verlinken auch diesen Twitter Thread in den Shows Notes, aber ich fasse das mal kurz zusammen. Also jemand saß in Deutschland im ICE. Der ICE ist der Intercity Express. Das ist ein sehr schneller Zug, für den man auch ein spezielles Zug-Ticket braucht, für diesen spezifischen ICE. Und es saß ein Mann in diesem Zug, der hatte das falsche Ticket. Der hatte ein Ticket für einen FlixTrain, also für eine Dritt-Firma. Falsches Ticket. Dieser Mann konnte kaum Deutsch und hatte Papiere dabei von einem Lager, wo er hin musste, wo er scheinbar auf dem Weg zur Arbeit war. So. Jetzt kommt also der Schaffner, kontrolliert das Ticket und merkt, ja, ist leider nicht das richtige Ticket, er hat also nicht das Ticket und er hat, kann auch nicht richtig Deutsch. Jetzt ruft dieser Schaffner die Polizei. [Was?] Die Polizei kommt in den Zug. Alle sind wohl super nett, alle sind super bemüht, das irgendwie auszusortieren. Es kommt noch heraus, er fährt noch dazu in die falsche Richtung. Also nicht nur hat er das falsche Ticket, er sitzt auch komplett im falschen Zug, also er fährt nicht mal in die Richtung, in die er überhaupt muss. Die Polizistin liest drei mal alles durch, keiner hat einen Plan, wie es jetzt weitergeht. So. Jetzt—die Geschichte hat eigentlich eine schöne Wendung—kommt ein Typ, der sich einfach einmischt, der einfach in diesem Zug sitzt, in einem weißen Hemd und sagt: "Kann ich das Ticket einfach für ihn kaufen? Ich bezahle das, dann hat er zumindest keinen Stress wegen Schwarzfahren." Also dann kriegt er zumindest kein Bußgeld, jetzt. Dann sagt, dann sagt der Schaffner: "Ja klar, kannst du kaufen." Weißhemd-Typ, Kreditkarte, zack, bezahlt das Ticket. So. Jetzt kommt noch mehr Polizei dazu in den Zug—also das ist wirklich so ein bisschen, ja—alle bereit, irgendwie den Typen jetzt mitzunehmen aus diesem Zug. Die Polizei will den jetzt eigentlich mitnehmen. Aber ist ja jetzt Quatsch, weil er hat ja jetzt ein Ticket. Das heißt die Polizei hat, ist jetzt nicht mehr da, um ihn abzuführen, sondern—so steht es hier in diesem Twitter Thread—verwandelt sich in eine Bahn-Info. Also die Polizisten sagen jetzt: "Ja, es ist ja jetzt alles in Ordnung. Er hat ja jetzt ein Ticket." und versuchen ihm jetzt zu helfen also noch zu seinem Lager zu kommen. Der Schaffner ist erleichtert, der Typ mit dem weißen Hemd, der das Ticket gekauft hat, sagt: "Ok", zur Polizei, "versprechen Sie, dass Sie ihm jetzt auch helfen und ihm jetzt nicht noch mehr Ärger machen?", weil man ja sagen muss, es ist manchmal vielleicht auch ein bisschen schwierig. Polizei sagt: "Ja, wir helfen ihm jetzt." So, dann, genau und dann geht die Geschichte noch so weiter, dass der Typ in dem weißen Hemd dann noch sagt: "Hey, ich hab jetzt neunundsiebzig Euro bezahlt, will sich jemand beteiligen?" Und super viele Leute in dem Zug dann (ihre) Porte­mon­naies rausgeholt haben und sich dann tatsächlich beteiligt haben und das, das geteilt haben so. Also, eine an sich coole Geschichte, weil da endlich mal ein bisschen Menschlich… Menschlichkeit gezeigt wurde und jemand gesagt hat, hey, zumindest können wir ihm jetzt diesen Ärger ersparen, dadurch dass er jetzt nicht das richtige Ticket hat. Aber, was mich nervt daran ist, dass wir überhaupt in so einer Situation sind, wo so ein, ja, ganz klar hilfloser Mensch, der jetzt nicht extra schwarz gefahren ist, so, um zu bescheißen, sondern der ganz eindeutig, ja sogar noch in die falsche Richtung fährt, der einfach Hilfe braucht. Der einfach nicht weiß, wie funktioniert das System. Er hat ein Ticket gekauft, aber es ist das falsche. Statt, dass dort einfach mal der Schaffner und alle Leute, die sowieso schon da sind, ihm helfen und sagen: "Kein Problem hier, hier kommst du hin und das mit dem Ticket ist jetzt mal geschenkt." Dass dann in Deutschland die Polizei gerufen wird.

Cari:
[51:49] Also das verstehe ich auch nicht, warum die Polizei da war. Also ich habe schon öfter solche Szenen in einem Zug beobachtet, ich habe aber noch nie gehört, dass die Polizei gerufen wurde.

Manuel:
[51:57] Ja ich glaube, was passiert ist: Der Schaffner sagt dann: "Du musst jetzt den Zug verlassen!" Und wenn du den Zug nicht verlässt, dann rufen sie die Polizei. Ich glaube darum geht es sozusagen. Und ich glaube, es gab da einfach auch Verständigungsschwierigkeiten und er ist halt nicht aufgestanden. Aber wenn du sozusagen ohne Ticket im Zug sitzt und der Schaffner sagt: "Dann musst du den Zug jetzt verlassen", dann kommt die Polizei und das ist auch verständlich, fände ich, wenn jemand sich einfach weigert zu bezahlen, aber in so einem Fall würde ich mir wünschen, dass der Schaffner oder die Schaffnerin einfach mal kurz menschlich ist und nicht auf den Regeln und der Ordnung beharrt, sondern einfach mal kurz schaut: Wie können wir dieses Problem jetzt lösen?

Cari:
[52:39] Das ist halt schwierig, weil das kann man auch ordnungsmäßig nicht… also es ist ja einfacher, eine Regel zu machen, dass es immer so ist und nie anders, als dass man Regeln dafür setzen muss, oder überhaupt, ja. Es ist schwierig, Regeln zu machen, dass man sowas menschlich beurteilen muss. Weil dann muss ja quasi der Schaffner jedes mal beurteilen: Lügt der Mensch oder nicht? Was ja auch passiert. Also Leute gehen ja auch in den Zug und behaupten einfach sie verstehen kein Deutsch oder behaupten sie fahren in die falsche Richtung. Und ja, ich glaube, das ist halt das Negative, dass in Deutschland, man macht lieber eine Regel, die immer angewendet wird, als dass man sich irgendwie Gedanken um etwas machen muss, oder, ja da bleibt die Menschlichkeit auf oft auf der Strecke. Was ich eigentlich bei dem Thema bertreiben"… ja aber das gilt genauso für diese, für diesen Fall, also wenn man Ordnung zu weit treibt, dann wird man halt unflexibel. Das heißt, man beharrt dann auf der Ordnung, das heißt, man möchte immer diese Ordnung, die man sich überlegt hat, anwenden. Und wenn etwas, ja, wenn etwas aber Flexibilität braucht, dann ist die Flexibilität nicht gegeben und das passiert ganz oft in Deutschland. Sowohl privat als auch, ja, in offiziellen, in Behörden. Und es gibt einige Behörden, die sind da sehr gut drin, Sachen spontan zu machen oder auch mal Kulanz zu zeigen. Das ist so ein Wort, das heißt, es gibt einen Spielraum, den man hat. Man kann kulant sein und sagen: Ja okay, du kriegst in diesem Fall, kriegst du das Geld wieder oder in diesem Fall darfst du mitfahren. Und es gibt aber auch viele, die keine Kulanz zeigen, die keinen Spielraum haben, die völlig unflexibel sind und das ist in Deutschland besonders stark ausgeprägt, also viel stärker als in anderen Ländern. Und ich glaube, dass das etwas ist, was viele Ausländer, viele Menschen, die neu in Deutschland sind, ja spüren auch. Wenn du dann irgendwie in der U-Bahn bist in Berlin und du hast das Ticket falsch gekauft, was wirklich passieren kann, weil es einfach verwirrend ist. In manchen Bahnen kann man Tickets kaufen, in manchen nicht, in manchen muss man sie draußen abstempeln, in manchen in der Bahn und es kommt einfach vor, dass du ohne Ticket in der Bahn stehst und dann kommen Leute zu dir, die aussehen wie so Türsteher, die dich einfach fertig machen dafür, dass du kein Ticket hast. Und es wird eigentlich mit Angst und Kontrolle ein System durchgesetzt, das sehr unflexibel ist.

Manuel:
[55:21] Genau. Und meiner Meinung nach ist die Lösung dafür, dass man Leute—auf Englisch sagt man "empowered"—also dass man Leute…

Cari:
[55:30] Dazu befähigt.

Manuel:
[55:31] …dazu befähigt, bemächtigt, in einem bestimmten Rahmen selbst Entscheidungen zu treffen. Also dass man zum Beispiel als Firma oder als Behörde oder als Bahn-Firma sagt: Das sind die Regeln und ja, deine Aufgabe ist es, diese Regeln zu kontrollieren, aber es gibt vielleicht besondere Situationen, wo wir flexibel sein müssen und alles, was zum Beispiel unter fünfzig Euro Wert liegt oder unter hundert Euro Wert liegt, da kannst du selbst entscheiden und zwar nach diesen Maßstäben. Unsere Maßstäbe sind: "Der Kunde ist uns am wichtigsten.", "Wir wollen, wir wollen keinen Konflikt."

Cari:
[56:11] Keinen Shitstorm.

Manuel:
[56:11] Wir wollen, genau auch, natürlich vielleicht, die Firma profitiert davon, dass es dem Ansehen, dass es beim Ansehen besser ist. Also ich glaube, da sollte man diese Flexibilität auch institutionell verankern. Dass man sie mit ins Regelwerk aufnimmt, dass man sagt: "Das sind die Regeln, aber solange es, sagen wir mal, nur um einen kleinen Betrag (geht), kannst du die Regeln selbst entscheiden zu brechen." Weil ganz oft passiert auch in Deutschland, wenn man nach Kulanz zum Beispiel fragt oder sagt: "Können wir da eine Ausnahme machen?" Dann ist die Antwort oft: "Das kann ich nicht entscheiden. Da muss ich erst meinen Chef fragen oder den Chef des Chefs." Und das ist verständlich, wenn es wirklich was ganz Großes ist, aber wenn es um zehn Euro geht, denke ich mir, wieso kann dieser Mitarbeiter diese Entscheidung nicht treffen?

Cari:
[56:55] Weil das in unserem System ist. Und da unterscheidet sich Deutschland wirklich von anderen Ländern. Wenn man sich die USA anguckt oder auch England, schätze ich, viele andere Länder, da ist halt das oberste Gebot in der Firma: Freundlichkeit und Ansehen und nicht… also in Deutschland ist das tatsächlich so, dass Freundlichkeit und Service-Orientierung ist nicht das Wichtigste in einer Firma. Eigentlich in keiner Firma ist das das Wichtigste, weil sonst würden viele Dinge anders laufen und in vielen Firmen, wie zum Beispiel bei der Deutschen Bahn, sind, wie gesagt, die Leute nicht ermächtigt, kleine Entscheidung zu treffen. Und es gibt keine Regel dafür, dass man sagt: Okay, wenn Fall A eintritt, dann kann ich selber so entscheiden. Und ich habe mich schon so oft… ich fahre zum Beispiel wirklich oft Bahn und ich habe schon so oft mit Schaffnern mich gestritten, weil sie mir gesagt haben, dass ich was falsch gemacht habe, obwohl ich ein Ticket habe, obwohl ich teilweise viel Geld dafür bezahlt habe. Und dann waren solche Sachen wie: Das Gerät kann meine BahnCard nicht lesen. Die BahnCard ist aber da und die ist gültig. Dann sagt der Schaffner: "Ja aber ich muss die auch lesen können." Dann meine ich so: "Ja, ich weiß doch nicht vorher, ob ich die lesen kann." Dann sagt er: "Ja wahrscheinlich haben Sie ihr Handy neben die BahnCard gehalten und dadurch ist jetzt die BahnCard nicht mehr lesbar. Dann ist die BahnCard jetzt nicht gültig!" Und solche Sachen wo der Bahn-Schaffner… ich habe auch das Gefühl, viele deutsche Charaktere, die freuen sich so richtig in dann so einer, in so einer Rolle zu sein, dass man sie um etwas bitten muss. Also das ist auch… Die Leute haben ein Verständnis von Service nicht, dass sie dafür da sind, es jemandem angenehm zu machen, sondern der Kunde ist dafür da, dass er sie anbettelt und quasi sich devot zeigt. Und ich hasse das. Ich finde das einfach schrecklich.

Manuel:
[58:47] Das sollten wir noch mal als eigenes Thema ausschreiben. Ich hab's grad schon aufgeschrieben. [Ja? Sehr gut.] Aber ja, das nervt auf jeden Fall. Wenn wir das zu weit treiben mit der Ordnung…

Cari:
[58:55] Das nervt tierisch!

Manuel:
[58:55] …und nicht die Ordnung uns hilft, sondern wir für die Ordnung arbeiten, dann nervt das richtig, ja. Okay.

Cari:
[59:04] Das ist meine Lieblingskategorie, Manuel. Das nervt sowas von.

Das ist schön: Routine

Cari:
[59:13] Ok, ich glaube diese Woche geht alles um das Thema Ordnung und ich möchte jetzt einen schönen Aspekt an der Ordnung erwähnen, weil wir ja noch nicht über genug Schönes gesprochen haben und das ist etwas… Also mein schönes, mein, mein, mein Inhalt für dieses Segment diese Woche ist "Routine". Und zwar finde ich es schön, wenn man eine gewisse Ordnung im Leben hat und vor allem ich empfinde das als wichtig, weil ich ja total frei und selbstbestimmt lebe. Das heißt, ich habe keinen Arbeitgeber, keinen Auftraggeber. Ich habe eigentlich außer den Terminen, die wir jetzt haben, für unsere Videos und unsere Podcasts, habe ich quasi gar kein, ja gar keine Ordnung in meinem Leben und für mich ist das wirklich wichtig, dass ich diese Termine habe. Also diese mittwochs und sonntags ein neues Video zu veröffentlichen und jetzt dienstags einen Podcast, das sind quasi die Stützpfeiler meiner Routine und meiner Ordnung. Und ich habe quasi, ja seitdem ich selbstständig arbeite, das ist jetzt schon seit ja eigentlich fünfzehn Jahren der Fall, habe ich immer wieder verschiedene Sachen ausprobiert, um ja, um eine perfekte Balance zu finden zwischen Ordnung und Freiheit. Weil natürlich habe ich den großen Vorteil, dass ich nicht morgens um acht Uhr aufstehen muss und nicht um neun Uhr an einem Arbeitsplatz sein muss. Auf der anderen Seite birgt das auch sehr viele Risiken wenn man alles selber bestimmen muss. Weil man muss wirklich auch diszipliniert sein um Sachen zu schaffen. Und man darf aber auch nicht zu viel arbeiten, weil dann wird man irgendwann verrückt. Und sich in diesem Bereich zu bewegen zwischen… ja also das, das ist gar nicht so einfach und ich habe mir einige Routinen angeeignet und andere Sachen mache ich komplett frei, und das, davon wollte ich dir berichten, denn das ist schön.

Manuel:
[1:01:18:1:] Ich finde das Thema sehr spannend, denn ich habe auch eine morgendliche Routine und finde das auch super wichtig. Also erzähl doch mal kurz, was ist denn deine morgendliche oder deine Routine generell?

Cari:
[1:01:28:1:] Ja. Also meinen Routinen… ich probiere immer wieder verschiedene Sachen aus. Im Moment ist das so, dass ich morgens die stärkste Routine habe. Ich versuche tatsächlich auch—obwohl ich das nicht muss—ich versuche immer jeden Morgen zur gleichen Zeit aufzustehen, weil das einfach wichtig ist, allein schon dass ich, ja, eine gewisse, einen gewissen guten Schlafrhythmus habe. Also ich stehe jetzt meistens so um, ja, zwischen acht und neun Uhr auf, meistens um halb neun und zwischen neun und elf mache ich erstmal nur E-Mails und dringende Sachen. Also E-Mails und Sachen, die daraus resultieren plus unser Forum checken, unsere Patreon Seite checken, Fragen beantworten von unseren Mitgliedern, das mache ich zwischen neun und elf jeden Morgen. Dann ab elf Uhr, idealerweise dusche ich dann und ab zwölf Uhr frühstücke ich. Und dann geht es… meistens arbeite ich ein bisschen länger sagen wir mal bis halb zwölf. Also dann habe ich ungefähr an­dert­halb Stunden zum Duschen und zum Frühstücken. Zum Frühstück(en) esse ich jeden Tag im Moment das Gleiche, weil das einfach einfach ist und dann freue ich mich auch schon da drauf und esse dann das Frühstück und gucke dazu ein Video auf YouTube und zwar immer ein, meistens ein, ein Beitrag aus einer Late Night Show vom Abend davor. Also zum Beispiel Stephen Colbert, Seth Meyers, Conan oder Trevor Noah. Einer von denen begleitet mich zum Frühstück immer und dann weiß ich auch immer schon ein bisschen was, was so die Nachrichten sind in witziger Form vorgetragen. Ja und dann arbeite ich ab ein Uhr, sagen wir mal, bis den ganzen Nachmittag an etwas, was an dem Tag angesagt ist. Das ist dann zum Beispiel an einem, an zwei Tagen die Woche ist das, sind das Sachen für Seedlang, für unsere App. An zwei anderen Tagen ist das die Easy German Produktion und an einem Tag ist das zum Beispiel Easy Languages, Sachen, die ich mit Justyna regele. Und dann abends habe ich entweder einen freien Abend und treffe mich mit einer Person meiner Wahl. Aber das habe ich limitiert auf drei Abende die Woche, weil ich gemerkt habe, wenn ich zu viel, zu viele soziale Verpflichtungen wahrnehme, dann tut mir das nicht gut, also wenn ich jeden Abend rausgehe oder jeden Abend viele Leute treffe, dann komme ich nicht zur Ruhe abends. Also ich versuche immer drei bis vier Abende der Woche was mit anderen Menschen zu machen und mindestens drei Abende die Woche alleine zu sein, wo ich nichts mache. Beziehungsweise dann sitze ich am Rechner, arbeite meistens auch noch, weil es mir sonst zu langweilig ist, aber mache nur bestimmte Aufgaben, die wenig Konzentration erfordern und bei denen ich noch nebenbei Filme gucken kann oder Dokumentationen. Klingt das nach einer spannenden Woche?

Manuel:
[1:04:31:1:] Ja. Das klingt nach einem, nach einer spannenden Woche und nach einer guten Routine. Ich habe auch, es gibt ein Zitat, was finde ich sehr dazu passt und zwar heißt es… und man muss, finde ich, als Intro sagen: Dieses wort "man" auf Englisch wird oft falsch verstanden bei solchen Zitaten, weil "man" hieß früher einfach, oder hat bedeutet, "Menschen". Also "man" heißt nicht "Mann" im Gegensatz zu "Frau" sondern "man"… "for all"… ist so wie "mankind", ja, für alle Menschen so, ja? Das nur als kleiner, als kleines Vorwort. Das Zitat auf Englisch ist: "Routine, in an intelligent man, is a sign of ambition." Also wenn man sich nämlich solche Ambitionen wie du machst, solche, so eine Routine wie du anlegst, dann machst du das ja, damit ist dir hilft, diese ganzen Sachen zu schaffen. Also würdest du es schaffen, in einer Woche an der App zu arbeiten, an den Videos zu schaffen, an dem Podcast zu arbeiten, wenn du nicht diese Routinen hättest? Wahrscheinlich nicht. Und deswegen ist das auch ein Zeichen von Ambition, wenn man sich bewusst eine Routine erarbeitet, mit der man alle diese Sachen schafft. Und deswegen haben auch viele große kreative Schriftsteller, und so weiter, der Geschichte fast alle so eine Routine gehabt. Weil die haben sich morgens hingesetzt und als erstes eine Stunde geschrieben, zum Beispiel. Da gibt es viele solche Beispiele.

Cari:
[1:05:58:1:] Ja. Und ich finde das interessant, weil das sieht man tatsächlich dann wenn man über Menschen liest oder über Menschen Dokumentationen guckt, die sehr erfolgreich sind, dass die teilweise sehr penible Routine haben. Und ich hab das immer abgelehnt, weil ich dachte immer: Okay mein… das größte Gut, was ich habe durch meinen Beruf, ist meine Freiheit. Wieso soll ich mir diese Freiheit selber nehmen? Aber umso mehr ich das selber ausprobiere und umso mehr Dokumentationen ich gucke—ich gucke jetzt zum Beispiel gerade die Dokumentation über Bill Gates auf Netflix—da sieht man einfach, also die Leute, also solche Leute wie Bill Gates, die haben eine minutengenaue Routine jeden Tag. Der geht… jeden Tag ist der, ich weiß nicht wann, aber ich glaube um Punkt acht Uhr ist der im Büro. Und dann sagte seine Sekretärin oder Assistentin, wurde gefragt: "Ja kommt der mal zu spät?" Und sie sagt: "Nein, er ist jeden Morgen um Punkt acht Uhr im Büro." Und da muss… ich denke dann, da muss irgendwas dahinter sein. Ich zum Beispiel schaffe das nicht. Als wir hier eben verabredet waren, war ich wieder zehn Minuten zu spät. [Allerdings.] Was ist denn deine Routine, Manuel?

Manuel:
[1:07:05:1:] Also ich habe tatsächlich nur eine kleine Routine, die ich dafür aber wirklich, ja, eigentlich schon seit Jahren genau so mache, und zwar: Direkt nach dem Aufstehen meditiere ich in der Regel zwanzig Minuten und das ist das allererste, was ich mache. Ich versuche es sogar so hinzukriegen, dass ich nicht mal auf mein Handy gucke, bevor ich das mache, dass meine Gedanken nicht gleich abgelenkt werden, weil meistens nachts irgendwelche Nachrichten kommen und Notifications. Es ist ein bisschen schwierig manchmal, weil mein Handy auch mein Wecker ist, aber… Ich meditiere zwanzig Minuten, dann frühstücke ich und entweder direkt davor oder danach, manchmal auch dabei, schreibe ich mein Journal. Und mein Journal ist einfach… es ist so etwas, das schreibe ich eigentlich weniger dafür, dass ich es mal lese oder das es… also es ist sowieso privat und das soll sowieso niemand lesen außer mir, aber selbst ich muss es nicht wirklich lesen, weil es geht mehr so darum, einmal alles aus dem Kopf raus zu bekommen. Also die Meditation hat mich schon gegrounded und hat mich schon so in den, auf den Tag eingestimmt und dieses Schreiben direkt danach hilft mir noch mal so alles raus zu bekommen, was irgendwie noch rumschwirrt vom Vortag an Gedanken, an Sorgen und dann ist das einfach raus. So und dann habe ich das Gefühl, jetzt ist das Blatt weiß und jetzt kann ich mich an den Tag begeben. Und eine Sache, die ich dann noch im Laufe des Tages mache, manchmal morgens, manchmal mittags, manchmal abends ist Sport. Und bei mir ist das Geheimnis so ein bisschen, dass ich mir, also ich finde es manchmal sehr gut, wenn man sehr niedrige Ambitionen hat, dafür aber es immer und ohne Ausnahme macht. Also ich hab zum Beispiel, also bei allen diesen Dingen eigentlich, also alle diese drei Sachen mache ich wirklich jeden Tag und in der Regel meditiere ich zwanzig Minuten, schreibe ich in meinem Journal, weiß ich nicht, ein paar hundert Worte und gehe vielleicht eine halbe Stunde joggen. Aber es gibt auch Tage, wo ich das alles nicht schaffe, aber dann mach ich's trotzdem. Aber meine Minimal-Hürde ist dann zum Beispiel fünf Minuten meditieren, einen Satz ins Journal schreiben und dreißig Liegestütze machen. Und das sind alles Sachen, die die, ja, maximal fünf Minuten dauern, das meiste sogar weniger. Also fünf Minuten meditieren und das Journal und die Liegestützen dauern vielleicht zwei Minuten, aber dafür mache ich es wirklich jeden Tag schon seit, ja, zum Teil Jahren und das ist für mich so ein bisschen das Geheimnis zum Erfolg. So mache ich es zum Beispiel auch bei Sprachen, beim Sprachenlernen, dass ich mich zwinge, jeden Tag ein ganz kleines bisschen zu machen. Und das sind so meine, meine wichtigsten Routinen.

Cari:
[1:09:55:1:] Das klingt gut. Diesen Journal schreiben oder Tagebuch schreiben ist etwas, was ich auch schon öfters gehört habe und was ich eigentlich früher gerne gemacht habe, aber noch nie praktiziert habe als Routine. Ich glaube, das werde ich irgendwann mal ausprobieren.

Manuel:
[1:10:10:1:] Und ich finde, der, der Trick ist… also was bei mir nämlich ganz lange… der Schalter, den ich umlegen musste bei mir im Gehirn, ist, dass das nicht gut geschrieben sein muss oder soll.

Cari:
[1:10:21:1:] Ja. Das ist glaube ich mein Problem. Immer wenn ich angefangen habe, dachte ich: Okay, das soll im Nachhinein auch noch gut klingen, wenn ich mir das in einem Jahr angucke. Ich hab so ein, ein Journal, den ich schreibe, mit meinem Freund Konrad. Wir spielen immer zusammen Computerspiele und zwar immer das gleiche Computerspiel seit über zehn Jahren, ich glaube seit fünfzehn Jahren insgesamt. Und ich schreibe… ich hab das erst in einem Buch geschrieben und jetzt in einer App, da schreibe ich tatsächlich jedes Mal einige Worte zu unseren Spielen. Also ich, ich mache dann Notizen: Welche Karte haben wir gespielt? Welche Zivilisation haben wir genommen? Welche Schwierigkeitsstufe? [Welches Spiel?] Das heißt "0 A.D." Das ist so ein bisschen wie "Age of Empires", aber eine, also eine, wie heißt das, freie Version oder eine Open Source Version. Und das Witzige ist, dass wir immer manchmal, also meistens noch kleine Anmerkungen machen zu unserem Leben und das ist halt jetzt… über einen Zeitraum von zehn Jahren ist das extrem witzig, weil wir dann total dämliche Details aufschreiben aus dem Spiel, die vermischen mit irgendwelchen Sachen aus unserem Leben. So, keine Ahnung: "Konrad ist heute deprimiert, denn er hat keine Chips mehr zum Essen." Oder: "Er hat jetzt irgendwie einen neuen Job." Also da sind dann so kleine Sachen aber auch drin von unserem Leben. Aber es ist nicht darauf fokussiert, dass wir unsere, unser Leben beschreiben, aber trotzdem kann man anhand dieser Sachen jetzt über zehn Jahre nachvollziehen, wie sich unser Leben und unsere Freundschaft entwickelt hat. Und ich wünschte, ich hätte sowas mit allen Freuen, dass ich quasi… Ja, ich habe aber mit keinem anderen Freund so eine Routine, dass wir immer eine gleiche Tätigkeit machen.

Empfehlungen der Woche

Manuel:
[1:12:05:1:] Ja da habe ich etwas, was sich gleich anschließt an das, was wir gerade besprochen haben. Und zwar benutze ich eine App auf dem iPhone die heißt "Streaks". [Echt?] Jetzt weiß ich gerade gar nicht, ob es die auch für Android gibt. Ich google das mal kurz.

Cari:
[1:12:21:1:] Ist das diese hier, die ich…? [Genau, das ist Streaks.] Die habe ich auch! Ist ja witzig.

Manuel:
[1:12:26:1:] Jo und das ist eine App, mit der kann man eben tracken, ob man bestimmte Dinge, die man sich vorsetzt, die man zum Beispiel jeden Tag oder jede Woche machen möchte, ob man die wirklich macht. Also man hakt die da im Grunde ab. Also es ist im Grunde so eine Art To-Do-App für Dinge, die man jeden Tag machen will, könnte man vielleicht sagen und…

Cari:
[1:12:44:1:] Ja. Also wir haben jetzt noch eine App, die wir benutzen um…

Manuel:
[1:12:48:1:] Genau. Tatsächlich ist es nur für iPhone, also tut mir leid für die, die jetzt… aber vielleicht gibt es sowas ähnliches bei Android auch. [Natürlich, ja.] Der Punkt ist einfach bei dieser App, dass man, also, sich freut, wenn jetzt zum Beispiel… ich kann ja mal kurz schauen, bei mir steht jetzt, dass ich seit fünfhundertsieben Tagen keinen einzigen Tag nicht meditiert habe. Also seit fünfhundertsieben Tagen meditiere ich jeden Tag und da freut man sich, das ist eine Motivation, diese Zahl aufrecht zu erhalten. Und auch wenn man es abhakt jeden Tag, dann ist das auch so ein kleines Glücksgefühl, ich hab's wieder geschafft. Und das würde ich empfehlen im, im Rahmen von Sprachen lernen, dass man sich eine, einen Task macht, einen Streak für mindestens zwanzig Minuten Deutsch lernen. Was auch immer man… ob das jetzt Seedlang ist oder was auch immer man aktiv macht an Übungen, dass man sich das rein macht: Mindestens zwanzig Minuten jeden Tag, egal was ist und das macht man jeden Tag. Und wenn man manchmal zwei Stunden macht, gut, aber diese zwanzig Minuten Minimum jeden Tag. Das würde ich empfehlen.

Cari:
[1:13:56:1:] Ich habe mir die App eingerichtet, als ich abnehmen wollte und dann auch, ja während ich die App benutzt habe, habe ich tatsächlich auch abgenommen und als ich dann die App nicht mehr benutzt habe, nicht. Weil das sind ja nur kleine Sachen, die den Unterschied machen. Und zwar stehen da Sachen drin wie: Ich habe quasi jeden Tag bestimmte Bewegungen, die ich machen muss. Meinen einzigen Streak, den ich ohne, ohne darauf zu achten gehalten habe, war jeden Tag fünf Stockwerke Treppensteigen. Den habe ich jetzt seit sechsundneunzig Tagen. Alle anderen habe ich irgendwann nicht mehr weitergeführt, weil, ja, irgendwann ist man, ist man wieder raus aus der Geschichte. Aber ich habe dann zum Beispiel einmal auf, unter einer bestimmten Kalorien-Zahl essen, fünf Kilometer Fahrrad fahren, jeden Tag vier Kilometer spazieren, erst nach zwölf Uhr essen, und, das Einzige, was nicht mit Essen zu tun hat oder Sport ist: Vor neun Uhr aufstehen. Und tatsächlich hat das, also als ich irgendwann dachte, okay jetzt will ich wirklich abnehmen, habe ich das eingeführt, ich hab das bestimmt über drei Monate gemacht und in der Zeit auch, ja, einige Kilo abgenommen und wenn man, das muss man ja nicht dauerhaft machen, aber wenn man sich so ein Ziel setzt, wie ich will jetzt bis zum nächsten Jahr Deutsch lernen oder ich will zehn Kilo abnehmen oder ich will das und das machen, dann ist das auf jeden Fall eine gute Methode. [Motivierend.] Mensch, wir haben richtig viele Lebens-, Lebens-Tipps heutzutage… heute in der Episode. Wir zeigen eigentlich, wie unser ganzes Leben funktioniert, Manuel.

Manuel:
[1:15:25:1:] Was ist deine Empfehlung der Woche?

Cari:
[1:15:27:1:] Meine Empfehlung hat ausnahmsweise heute nichts mit Ordnung zu tun. Kannst du dir das vorstellen? [Kaum eigentlich.] Es ist trotzdem etwas typisch Deutsches und zwar ist es eine App, die ich jeden Tag nutze und die ich jedem empfehlen möchte, der Deutsch lernt und der Deutschland kennenlernen will, und zwar ist das die App der Tagesschau. Die Tagesschau ist die Nachrichtensendung der ARD. ARD ist der, ja, größte öffentlich-rechtliche Sender in Deutschland. Und das ist tatsächlich ein interessantes System, denn in Deutschland muss jeder eine Abgabe zahlen für öffentliches Fernsehen und zwar relativ viel und viele Leute, die neu in Deutschland sind, wissen das auch und denken: Warum muss ich jeden Monat 17 Euro oder 17,50 Euro für den öffentlichen Rundfunk zahlen? Und in Deutschland gibt es tatsächlich—das ist noch mal ein ganz eigenes Thema—aber in Deutschland gibt es ein Gesetz, das sagt: Wir wollen einen unabhängigen Rundfunk haben. Und zwar unabhängig vom Staat, unabhängig von privaten Interessen, unabhängig von Werbung. Und das ist uns so wichtig, dass wir unabhängige Medien haben, dass das richtig viel kostet. Also, warum das so teuer ist kann man noch mal getrennt diskutieren, aber ich finde tatsächlich die Qualität sehr gut und es ist nicht vergleichbar mit vielen Nachrichtenseiten im, ja, in anderen Ländern. Also in vielen anderen Ländern, in den USA zum Beispiel, gibt es gar nicht so etwas wie eine große App oder Sendung, die den Anspruch hat, neutral zu sein. Also die haben wirklich den Anspruch, dass sie neutral über Dinge berichten, das heißt sie sind, ja, sie gehören… diese, dieser, dieser Sender gehört niemandem und er ist auch nicht staatlich geregelt, sondern das sind unabhängige Journalisten, die für ganz Deutschland unabhängigen Journalismus machen. Und ich finde das als Deutschlerner interessant, dass man sich das mal anguckt, worüber in Deutschland überhaupt gesprochen wird. Und da sind relativ kurze Artikel in der App, man kann aber auch Sachen hören und Videos gucken und wenn man so ein bisschen wissen möchte, was in Deutschland gerade diskutiert wird und auch Deutsch lernen möchte, dann kann man sich jeden Tag mal ein paar Artikel dort durchlesen.

Manuel:
[1:17:52:1:] Ja. Und, also das nächste, der beste Vergleich vielleicht noch, auch wenn es nicht genau das Gleiche ist, ist zu der BBC in England. [Ja, richtig.] Die ist ja auch durch öffentliche Gelder finanziert und in Amerika gibt es sowas, das ist noch vielleicht ein bisschen in die Richtung, das ist NPR, National Public Radio. Die sind auch, sagen wir mal, nicht ganz privat. Aber tatsächlich ist das in Deutschland schon ein sehr spezielles System und ich finde es auch eine gute Übung—ich will jetzt nicht auf Amerika rumhacken oder auf dem Nachrichtensystem dort—aber wenn man sich einfach mal eine normale Nachrichtensendung anschaut, egal von welchem Sender in den USA—CNN, MSNBC, FOX News, was auch immer—und das mal vergleicht mit den Nachrichten von der Tagesschau um 20 Uhr, was die meisten Deutschen… ich weiß nicht, ob die meisten Deutschen es gucken, aber es ist die größte Nachrichtensendung. Die größte NachrichtenSendung in Deutschland ist die Tagesschau, die kommt jeden Abend um 20 Uhr. Und wenn man diese Sendung mal vergleicht mit einer typischen Nachrichtensendung in den USA, es ist einfach ein sehr großer Unterschied, weil die Tagesschau sich eben nicht durch Werbung finanziert und deswegen, ich sag mal, sehr viel beruhigter und sehr viel, ja, ich finde einfach professioneller berichtet. Also es ist sehr viel sachlicher, es ist… geht nicht um Emotionen, es geht nicht darum, die Leute da zu behalten durch Emotionen und durch Explosionen und was nicht alles, sondern sie berichten wirklich die Nachrichten.

Cari:
[1:19:31:1:] Ja, und das ist wirklich interessant, weil das, das Interessante ist, ich hab jetzt grad mal nachgeguckt wie viele Leute das gucken: Die Tagesschau wird jeden, jeden Tag von zehn Millionen Leuten geguckt und zwar ohne dass sie, ja, ohne dass sie die Leute künstlich da im Programm behalten müssen. Das heißt, weil sie eben keine Werbung machen müssen, weil sie eben nicht durch Emotionen zum Beispiel Nachrichten verzerren müssen, was ja einfach, ja, Menschen, die, oder Nachrichtensender, die sich durch Werbung finanzieren, die müssen ja konkurrieren und da ist natürlich die Nachricht mit dem meisten Sensationsgehalt ist dann die Sendung, wo man einschaltet und in Deutschland ist das tatsächlich so, dass die Leute diese Sendung gucken, obwohl sie vielleicht objektiv gesehen langweiliger ist, aber sie schätzen sie und gucken sie, weil sie eben langweiliger vielleicht ist und auch neutral ist und vor allem aber auch wirklich guter Journalismus ist.

Manuel:
[1:20:31:1:] Genau. Also auf tagesschau.de gibt es auch geschriebene Artikel und sie machen auch noch andere Nachrichtensendungen zu anderen Uhrzeiten, aber die Hauptsendung heißt einfach Tagesschau. Tagesthemen kommt dann noch mal später. Tagesschau ist immer um 20 Uhr und kann man sich auch auf der Seite anschauen direkt nachdem sie gelaufen ist oder ich glaube auch sogar live um 20 Uhr deutscher Zeit. Und das ist wahrscheinlich auch eine gute Übung für Leute, die Deutsch lernen.

Cari:
[1:20:57:1:] Und in der App kann man tatsächlich Artikel lesen, viele Artikel sind auch noch mal als Audio gesprochen und das finde ich eine gute Übung auch. Das heißt man kann den Audio hören und dabei den Artikel mitlesen. Es sind nicht alle, aber viele.

Manuel:
[1:21:12:1:] Das ist ja wie unser Podcast. Wenn man hier nach anderthalb Stunden immer noch mehr hören möchte, kann man das machen.

Lied der Woche: Deutschland

Manuel:
[1:21:23:1:] Und zwar habe ich ein Lied ausgewählt mit der Textzeile, passend zum heutigen Thema: "Wir stehen auf Ordnung und Sauberkeit." Und das Lied ist von den Prinzen, eine bekannte deutsche, ja, ursprünglich Acapella-Band. Also sie haben ursprünglich gar keine Instrumente benutzt. Und das Lied heißt "Deutschland". Und man muss ein paar Worte zu diesem Lied glaube ich sagen, denn das Lied wird, glaube ich, von vielen missverstanden. In diesem… also man kann eigentlich sagen, dieses Lied trieft vor Ironie. In diesem Lied wird Deutschland beschrieben und da sind sehr viele Zeilen drin, die auf den ersten Blick, wenn man das jetzt wörtlich nehmen würde, sehr positiv klingen, die aber in Wirklichkeit eine Kritik sind an Deutschland, ja? Also ich kann ja mal vorlesen, hier steht zum Beispiel in dem Songtext: "Wir sind die Allerbesten in jedem Sport, die Steuern hier sind Weltrekord, es kann jeder hier wohnen, dem es gefällt, wir sind das freundlichste Volk auf dieser Welt." Da steckt viel Kritik auch an Deutschland mit drin und gleichzeitig ist es aber auch nicht eine reine Kritik an Deutschland. Also dieses… hier wird viel auch zwischen den Zeilen gesagt und ich glaube, dass das einerseits, ja, ein kritischer Blick auf Deutschland ist und es wird sich dort auch an den Stereotypen abgearbeitet—deswegen ja auch dieses "Wir stehen auf Ordnung und Sauberkeit", ja, das wird da so explizit gesagt—aber gleichzeitig ist es schon auch eine Liebeserklärung an das Land. Also ich glaube nicht, dass sie… dass dieses Land… dass dieses Lied gegen Deutschland ist oder anti-deutsch. Und ich habe auch ein Zitat gefunden von dem Frontmann der Prinzen, Sebastian Krumbiegel, ein Zitat aus einem Interview, wo er sagt, das Lied sei "eine kontroverse Zustandsbeschreibung unseres Heimatslandes". Insgesamt habe die Gruppe "eine kritische Meinung, die sie ganz einfach und ohne erhobenen Zeigefinger und ohne große Moralkeule äußern" würde. Und dann habe ich einen YouTube Kommentar unter dem offiziellen Musikvideo gefunden, den ich auch nämlich sehr passend fand, weil eben sehr viele Leute entweder denken, dass ist komplett gegen Deutschland oder es wäre eine Verherrlichung, also die sozusagen die Ironie nicht verstehen, und er schreibt: "Witzig, wie sich die Generation der sozialen Verblödung über dieses Lied streitet. Falls ihr noch etwas Denkvermögen besitzt…" Okay, ist etwas hart ausgedrückt, hier, dieser Kommentar. "Dieses Lied ist eine Liebeserklärung mit Selbstkritik. Es ist weder eine einseitige Verherrlichung von Deutschland noch ein Anti-Lied, wie es viele denken." Und ich denke das stimmt.

Cari:
[1:24:27:1:] Weil es ist ja auch im echten Leben so, dass wir unsere Ordnungsliebe hassen und lieben.

Manuel:
[1:24:32:1:] Ganz genau. Genau. Also hier sind wirklich viele Aspekte in dem Lied wo man sagen kann: Ja, das ist einerseits wirklich schön an Deutschland und andererseits ist es aber auch schwierig. Also hier stehen… "Wir lieben unsere Autos mehr als unsere Frauen, denn deutschen Autos können wir vertrauen." Natürlich sind viele Deutsche wirklich stolz auf, auf die Autos die Deutschland produziert und herstellt und gleichzeitig führen wir es vielleicht manchmal ein bisschen zu weit. Naja, die nächste Zeile: "Gott hat die Erde nur einmal geküsst, genau an dieser Stelle wo jetzt Deutschland ist", ist natürlich definitiv ironisch. Also ich finde es ein schönes Lied und es gibt zwei… ich verlinke zwei Versionen, einmal das Original von 2001 auch mit, mit dem Video und dann gibt es jetzt ein Album von den Prinzen von 2015, wo sie ein Konzert live in der Oper gegeben haben und das verlinke ich auch, diese Live-Aufnahme aus der Oper, weil das finde ich musikalisch eigentlich viel schöner.

Cari:
[1:25:33:1:] Ok, mach das. Ich kenne, kannte das Lied tatsächlich noch nicht, also interessant. Habe auch ich etwas Neues erfahren, Manuel. [Sehr gut.]

Eure Fragen

Manuel:
[1:25:45:1:] Ja, wir haben schon einige Fragen bekommen über unsere Website easygerman.fm. Wenn man da ganz nach unten scrollt ist ein großer, grüner Button und da könnt ihr uns eure Fragen entweder schreiben oder ihr könnt auch eine Audio-Datei oder ein Video einfach hochladen und dann können wir eure Stimme hier im Podcast abspielen und das wäre mir fast noch am liebsten [Ja, das finde ich gut.] weil das irgendwie schön ist, wenn wir auch hören, wer, wer dahinter steckt. also wenn ihr das hinkriegt technisch—und das ist nicht schwer, ihr könnt einfach mit dem Smartphone ein Video aufnehmen und das dann dort hochladen—freuen wir uns und diese Woche haben wir eine Frage von Eddie aus Indonesien und er fragt… [Hallo Eddie! Ja?] "Was ist der Unterschied zwischen Kumpel und Freund?"

Cari:
[1:26:37:1:] Oh. Das ist eine nicht so schwierige Frage. Also ich würde sagen, "Kumpel" ist einfach ein umgangssprachliches Wort für "Freund" und, ja, man kann… "Kumpel" kommt glaube ich ursprünglich aus dem Bergbau, das können wir vielleicht kurz mal nachschlagen.

Manuel:
[1:26:55:1:] Ja, das stimmt, ich glaube, es waren ursprünglich…

Cari:
[1:26:59:1:] Kumpel: "Arbeiter im Tage- oder Untertagebau, der unmittelbar beim Abbauen und Fördern beschäftigt ist." Und umgangssprachlich: "Person, die bei gemeinsamen Unternehmungen sehr zuverlässig ist." Also ein Freund ist im Prinzip alles. Das ist quasi der, der Hauptbegriff, den man für Freunde hat, ist "Freund" und "Kumpel" ist jemand, der ein guter Freund ist würde ich sagen.

Manuel:
[1:27:26:1:] Ein Kumpel? Nein! Ich würde eher umgekehrt sagen. Ich würde sagen ein Kumpel ist kein sehr guter Freund. Ein Kumpel ist halt ein Kumpel. Also ich hab viele Kumpel, aber ich habe nur ein paar enge Freunde. Ich würde jetzt zu meinen engsten Freunden nicht "Kumpel" sagen. Also Kumpel ist eher so, hey, das ist halt ein Kumpel von mir. Und was auch noch wichtig ist, das erklärt (nicht) sich dadurch, dass es eben aus dem Bergbau kommt, weil im Bergbau haben natürlich nur Männer gearbeitet oder, ich will nicht sagen "nur" aber ich glaube, es ist…

Cari:
[1:27:58:1:] Aber es ist ja auch ein männliches Wort nur.

Manuel:
[1:27:59:1:] Genau, es gibt nur männliche Kumpel. Es gibt einen männlichen "Freund" und eine weibliche "Freundin", das Wort gibt es in beiden Geschlechtern, aber man kann nur einen Kumpel, das ist immer ein Mann. Es gibt keine "Kumpelin" leider. Ist ein bisschen ungerecht, aber das kommt halt daher, dass ein Kumpel früher ein Mitarbeiter, ein Kollege war im Bergbau und dort gab es keine Frauen. Aber für mich ist ein Kumpel ein Freund, der jetzt nicht mein engster Freund ist.

Cari:
[1:28:28:1:] Ja okay, vielleicht ist das tatsächlich so. Also ich gucke gerade schon nach, ich glaube, dass der Begriff auf jeden Fall aus dem Bergbau kommt und dass das einfach ein Kollege ist. Also im Prinzip das, was in anderen Bereichen ein Arbeitskollege ist, man benutzt ja auch das Wort "Kollege" für Freunde. Man sagt ja "das ist ein Kollege von mir" und das ist nicht unbedingt der engste Freund, aber ein, ein Freund. Ja und so ist vielleicht Kumpel auch. Ich benutze das Wort allerdings auch fast gar nicht mehr. Ich würde sagen, dass ist eher ein älteres Wort. Oder?

Manuel:
[1:29:01:1:] Ja. Ich, genau… Und ich würde auch eher dazu, dazu abraten, es zu benutzen. Also ich finde man kann nicht… also wenn man sich nicht sicher ist, ob es passt. Man kann mit dem wort "Freund" nicht viel falsch machen, aber jemanden einen Kumpel zu nennen. Ich finde, wenn es nicht gerade perfekt passt, kann man da auch in ein Fettnäpfchen treten. Oh, das Begriff, den Begriff schreibe ich mir auf fürs nächste Mal. "Fettnäpfchen." Okay, also vielen Dank. Schreibt uns, schickt uns eure Fragen und dann, Cari, habe ich jetzt noch eine, ein wichtiges Announcement, denn das war unsere [dritte] letzte Podcast-Episode. Das war's! Wir machen keinen Podcast mehr, jetzt ist vorbei. Wie fandest du es?

Cari:
[1:29:44:1:] Lüg… Ich fand's sehr gut, Manuel, aber ich finde, dass du unsere Zuhörer nicht aufs Glatteis führen sollst.

Manuel:
[1:29:50:1:] Okay. Es ist natürlich ein Scherz. Wir machen den Podcast weiter, es macht uns bis jetzt sehr viel Spaß, aber tatsächlich ist das die letzte Episode, in der wir euch nochmal kostenlos die Vokabelhilfe und das Transkript zur Verfügung gestellt haben. Ab jetzt ist das verfügbar für alle, die uns jede Woche mit zwei Dollar pro Woche unterstützen. Zwei Dollar, das ist in den meisten Ländern weniger als ein Kaffee To Go. Und wenn ihr sagt: "Das ist es mir wert, euch diese zwei Dollar zu geben, damit ihr das überhaupt leisten könnt", denn es ist tatsächlich sehr viel Arbeit, dann freuen wir uns sehr und dann bekommt ihr einen Zugang zu diesem Podcast, wo dann diese Vokabelhilfe mit dabei ist, im Grunde so wie Untertitel für den Podcast und das volle Transkript und vor allem das Gefühl, ihr unterstützt uns und macht das hier überhaupt erst möglich.

Cari:
[1:30:49:1:] Und ich möchte auch gerne nochmal erwähnen, warum das wichtig für uns ist, denn es ist tatsächlich so, dass du im Moment sehr viel Zeit in den Podcast steckst und die ganze Produktion übernimmst und das tatsächlich etwas ist, was, ja, weder ich noch du in Zukunft regelmäßig machen können, einfach weil, ja, du auch demnächst noch andere Pläne hast im Leben und ich auch tatsächlich Vollzeit schon damit beschäftigt bin, Filme zu drehen und unsere App aufzubauen. Und wir werden, das heißt wir werden im Prinzip auch nach jemandem gucken müssen, der unser Team verstärkt und uns gerade auf der technischen Seite hilft und wir haben dieses Ziel, dass wir, ja, uns das auch bald hoffentlich leisten können, unser Team zu erweitern und dafür brauchen wir wirklich Mitglieder und dafür hoffen wir sehr auf eure Unterstützung. Das heißt, wenn ihr ein Mitglied werdet, dann, ja, tut ihr das nicht nur um uns einen Kaffee zu kaufen, sondern ihr helft tatsächlich auch dabei, dass wir diesen Podcast weiter produzieren können und das ist unser großes Ziel. Also, ja. Wenn ihr ein Mitglied werden möchtet freuen wir uns sehr darüber und ihr bekommt auch etwas tolles dafür. Werdet gerne ein Mitglied und zum Dank möchten wir jetzt nochmal uns bei einigen bedanken, die schon Mitglied sind, nämlich bei den ersten Menschen, die sich angemeldet haben, sobald sie diesen Podcast gehört haben und das sind nämlich: Mai, Jishen, Xuanji, Marc, Amanda, Peter, Jianjing, Sandor oder Sandor, Alex, Gabriel, Faria und Tomáš. Es sind noch einige mehr, du hast gesagt das sind jetzt schon, wie viele Leute sind das?

Manuel:
[1:32:37:1:] Über siebzig haben sich schon angemeldet.

Cari:
[1:32:39:1:] Über siebzig und wir möchten uns bei euch bedanken, dass ihr schon ein Mitglied seid von unserem Podcast hier bei Patreon.

Manuel:
[1:32:47:1:] Vielen Dank und so oder so bis nächste Woche.

Cari:
[1:32:51:1:] Bis nächste Woche. Tschüss!

Manuel:
[1:32:52:1:] Ciao.